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Anna nicht vergessen - pp 181
Statt in Peru hielt sich Herr Gabriel während der ersten vollen Woche im März am Südbahnhof auf und verfolgte mit großer Aufmerksamkeit den Verlauf der Versteigerung unanbringlicher Güter in der Halle vor dem Wartesaal Ost. Einer seiner ehemaligen Gehilfen gab Ruf und Zuschlag und wiederholte ungeniert die Wendungen, die Herr Gabriel während vieler Jahre geprägt hatte: Da drinnen ist ein Walkmann, eine Stereoanlage und ein Klavier. Sie können es glauben oder nicht. Aber vergessen Sie nicht, daß Sie auf Verdacht kaufen. Womöglich sind in dem Koffer nur alte Zeitungen. Ich warne Sie. Ständig warne ich Sie. Schließlich will ich nicht, daß Sie am Ende gezwungen sind, arbeiten zu gehen.
Near fragment in time
Über den Kohlmarkt war die Dämmerung hereingebrochen, und einige Gaslaternen brannten bereits. Um das Michaelertor lag ein violetter Nebel.
pp 309 from Wiener Tod by
Near fragment in space
Anna beantragte bei Hofrat Hromada Verstärkung aus einer anderen Abteilung, denn zwei ihrer Kollegen befanden sich im Urlaub. Und natürlich waren sie nicht an den Wörthersee gefahren, von wo man sie problemlos hätte zurückordern können. Der eine war auf Teneriffa, und der andere verbrachte seine Ferien mit Familie auf einem Schweizer Biobauernhof – ohne Handy-Empfang. Hromada versprach, die fähigsten Kollegen zu schicken, deutete aber bereits vorsichtig an, dass auch die anderen Abteilungen urlaubsmäßig stark dezimiert seien. ›Sollte ich das perfekte Verbrechen planen, dann sicher im Juli oder August‹, dachte Anna und suchte in ihrem Notizbuch die Telefonnummer von Uschi Mader. Die meldete sich nach dem zweiten Klingeln. »Ja?« Ein zaghaftes Hauchen, es klang eher wie von einem Kind. »Frau Mader?« »Ja? Wer spricht da?« »Entschuldigen Sie, ich bin’s: Anna Habel, Landeskriminalamt Wien.« »Ah, Frau Habel, gut, dass Sie anrufen.« Diese Reaktion verwirrte Anna, doch sie ignorierte den Satz erst mal. »Frau Mader, ich muss Ihnen noch ein paar Fragen stellen, sind Sie denn heute Nachmittag zu Hause? Ich könnte so circa in einer Stunde bei Ihnen sein.« »Ja, kommen Sie ruhig. Ich bin aber nicht in Salchenberg. Ich bin eh in Wien, bei meiner Schwester. Weyringergasse 25.« »Das ist gut. Ich komm gleich vorbei, wenn Ihnen das passt.« »Ja, ist recht. Bitte bei Hutter klingeln. Gibt es denn was Neues?« »Ja schon, aber das erzähl ich Ihnen dann persönlich.« Anna überlegte kurz, ob sie einen Kollegen zu Frau Mader mitnehmen sollte, entschied sich dann aber dagegen. Kolonja hatte sie mit Arbeit eingedeckt, Frau Schellander war nur im Innendienst tätig, und sie hatte keine Lust, sich von einem uniformierten Kollegen mit Profilierungsneurose vollquasseln zu lassen. ›Na, die beiden Schwestern werden mich schon nicht in einen Hinterhalt locken.‹
pp 118-119 from Bis zur Neige - Ein Fall für Berlin und Wien by ,
