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Zores - pp 8

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Also das mochte diese theologischen Klugschwätzer im Diesseits echt überraschen. Die andere Welt sah verdammt nach der Walfischgasse aus. Nikotingetränkte Gardinen, altdeutsche Essmöbel und ein grauenhaftes Persianerimitat gleich zu seinen Füßen. Gott hatte ja nicht allzu viel Zeit gehabt, die Welt zu erschaffen, aber beim Paradies hätte er sich denn doch ein wenig mehr Mühe geben können. Wo blieben die Engel bloß?
Das war ja interessant. Im Jenseits herrschte keine himmlische Ruhe. Offenbar gab es auch hier Automobile, denn das Quäken, das an sein Ohr drang, war unzweifelhaft eine Hupe. Der ein unmissverständliches „Drah di, Depperter!“ folgte. Wie schön. Im Paradiese sprach man Wienerisch!
Oder war das Paradies vielmehr Wien?
Der verstaubte Teppich, die Vorhänge, die Sessel, … das war viel zu vertraut, um nicht seine Wohnung zu sein.
Mühsam hob er die Hand und führte sie zu seinem Gesicht. Er fühlte seine fleischige Wange, fuhr sich sachte über seine Barthaare. Kein Zweifel. Er spürte sich. Er lebte also.
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Der Name Fülöp sagte dem Teppichhändler nichts - deshalb hatte er auch den Berichten über den Mann, der in der Wiener Innenstadt ermordet worden war, wenig Bedeutung beigemessen. Als Manuela Reisinger ihm Fülöp beschrieb, glaubte er sich zu erinnern, dass Fülöp vom Restaurant- und Boutiquebesitzer Piwonka mitgebracht worden war. Er nannte Reisinger das Piwonka gehörende Lokal in der Himmelpfortgasse und dessen Boutique am Neuen Markt, und das war es auch schon.
pp 30 from Blutreigen Ein Fall für Trautmann by Ernst Hinterberger

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Wozu in die Ferne schweifen, dachte er sich, gab es doch in seiner Gasse gleich zwei Häuser weiter ein Etablissement, in dem ein Ablenkung suchender Herr im gestandenen Mannesalter auf seine Kosten kommen sollte. Der Zubau zum Haus Nummer 11 war schon 1884 errichtet worden und hieß eine gute Weile „Moulin Rouge“, ehe man sich in der Republik von der kosmopolitischen Weitläufigkeit verabschiedet und den eher provinziellen Namen „Zur schiefen Laterne“ erwählt hatte. Lange Zeit konnte man die „Laterne“ getrost vergessen, denn viel mehr als eine fade Nummernrevue wurde dem Publikum dort nicht geboten. Zuletzt allerdings, so hatte Bronstein gehört, war es mit dem Haus wieder deutlich bergauf gegangen, wofür nicht nur witziges Kabarett verantwortlich war, sondern auch die engagierten Damen, die der Bezeichnung „Lustspieltheater“ eine eigene Note gaben.
pp 115-116 from Zores by Andreas Pittler