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Canard Saigon - pp 103

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"Dr. Richard Klein, 34 Jahre alt, verheiratet, ein Sohn. Seine Frau heißt Helene, ist 28 Jahre alt, eine geborene Meisner. Der Sohn heißt Peter und ist sieben Jahre alt. Die Familie Klein wohnt in einer Villa in der Hasenauerstraße, die sich im Besitz von Max Meisner, dem Vater von Helene Klein, befindet. [...] Nach dem Reifezeugnis studierte er Medizin und promovierte im Jahr 1999 an der Universität Wien. Im selben Jahr erhielt er eine Anstellung im Maria-Theresia-Spital, wo er eine Ausbildung zum Facharzt absolvierte.
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Ich stehe von dem Spiegel. Trage Make-up auf. Eine dünne Schicht. Eine Maske. Die Farbe des Lippenstifts passt zu meinem Haar. Manchmal, wenn ich es nicht aushalte, mein Körper mich an verschiedenen Stellen zu jucken beginnt, rufe ich in der Kanzlei an und behaupte, dass ich Kopfweh habe oder Grippe. Ich schminke mich ab. Schlüpfe aus meinem Arbeitsgewand. Ziehe je nach Jahreszeit eine Weste über oder einen Mantel, deren Kapuzen ich tief ins Gesicht schiebe, fahre zu einer Fakultät der Universität Wien, setze mich in einen Hörsaal mit Medizinstudenten oder einen, in dem eine Vorlesung über alte Geschichte stattfindet. Ich verstehe den Stoff, der aus dem Zusammenhang gerissen ist, nicht, lausche den Stimmen der Vortragenden, betrachte die Gesichter meiner Mitstudenten und bin glücklich.
pp 61 from Gegen einsam by Daniela Meisel

Near fragment in space

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Aber davor, der gräßliche Moment, der einzige Zwischenfall dieser Art, den ich je miterlebte, als eine Gruppe von Rohlingen den jüdischen Studenten mit Stiefeltritten die Stufen der Universität hinunterstieß! Ich sehe immer noch – denn keine andere Szene von solcher Grausamkeit hat sich dazwischengeschaltet -, wie der bleiche, schwarzhaarige Junge viele Sekunden lang über die Treppe rollte und zu Boden fiel, wie er dann weghinkte und mit seinen Händen seinen Kopf umklammert hielt, von dem ein kleines rotes Rinnsal tropfte.
pp 104 from Rückkehr nach Wien by Hilde Spiel