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Hundegeschichte - pp 113

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damit du, da man euch mit dem Finger nichts zeigen kann, sicher wüßtest, ich sähe sie auch oder sähe eines, welches du noch nicht siehst) ist im Türkenschanzpark eines in einer der Wiesen, kommst du mit aufgerichtet wippenden Ohren in einem Pony-Getrappel herbei, das, je näher du ihm kommst, zum Stechschritt wird der Hohen Schule, bleibst am Rand der Wiese, als hättest du es eben erst entdeckt, so sehr wie angewurzelt stehen, daß du, diesen Vergleich bewahrheitend, dich unmöglich sogleich ducken und schon auf es losgesprungen sein wirst, hast dich ja auch, die Hinterbeine leicht gegrätscht und die Vorderpfoten nebeneinander gestellt unter gestreckten Beinen, für lange stillzuhalten eingerichtet, bist durch das Abstützen deines Körpers zur Sicherung seiner Reglosigkeit ein wenig kurzbeinig geworden, aber ohne die Anstrengung von Ballettänzern geblieben, die von einem Zauberbann festgehalten zu werden darzustellen haben, die deine Verwandlung in das Abbild selbstvergessener Ergriffenheit durch so viel Bezauberung von selber geschieht, interesseloses Wohlgefallen in der hängenden Rute, nur in den Ohren ist sichtbar geblieben, wie deine Bezaubertheit dich durchzuckt.
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Im Café Raimund dominierte ein Kreis von Stammgästen, der sich gewissermaßen als elitäre Filiale von dem sozialen Durcheinander anderer großer Zentren der Wiener Kaffeehauskultur bewußt abhob. Hier residierten Egon Friedell und Lisa Loos, geborene Obertimpfler, die noch in hohem Alter mit Schönheit begnadete Frau des den Jugendstil verdammten Architekten Adolf Loos. [...] Franz Theodor Csokor, damals Dramaturg am Deutschen Volkstheater, war häufiger Gast dieser Runde, deren stabile Mitte sich aus dem Theaterkritiker Ludwig Ullmann, dem auf Schopenhauer spezialisierten jungen Schriftsteller Walther Schneider und dem Volkstheaterdirektor Rudolf Beer zusammensetzte. Beer konnte als legitimer Vorläufer des späteren Burgtheaterdirektors Haeussermann gelten, weil er ebenso wie dieser die gabe besaß, mit seinen zahlreichen Witzen aus dem Stagreif pfeilschnell mitten ins Ziel zu treffen.
pp 161-162 from Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés by Milan Dubrovic