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Die große Hitze, oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi - pp 121
Indessen suchte Tuzzi nicht einen Arzt, sondern im Rudolfs-Krankenhaus den Patienten Twaroch auf, der aber nicht ansprechbar war, weil man ihn – eine in der Zeit der Großen Hitze recht häufige medizinische Praxis – in mehrtägigen Tiefschlaf versetzt hatte. Das irritierte Tuzzi zunächst, denn es schien ihm unkorrekt, seine Entschlüsse ohne vorhergegangene Rücksprache mit dem eigentlich Zuständigen in die Tat umzusetzen; aber die Überlegung, daß man einen ordentlichen Ärger nicht abflauen lassen darf, sondern im Interesse der eigenen Seelenruhe möglichst komplett an den Mann bringen muß, wog schließlich schwerer als persönliche und berufliche Taktgefühle, und so ließ sich Tuzzi kurzwegs zum Stubenring fahren, marschierte ins landwirtschaftsministerielle Präsidialbüro und begehrte kalten Tones vom dortamtigen Kommissär Dr. Tappeiner, beim Minister umgehend vorgelassen zu werden.
Near fragment in time
Modena-Park-Gegend oder „Viertel“ (in Wien III.), heute alles versaut. Man baut. Man macht Garagen. Immer ist wieder was nötig, bis alles total verdreckt ist. Das kommt von den Tätigen her. Und wenn nicht Jeder tätig wär', verfaulte und versumpfte alles. Die Tätigkeit ist unser aller heilloses Heil, das einzig mögliche. Dabei großenteils glatter Unsinn. Die Tätigkeit kann man nur beherrschen, wenn sie kein Mittel der Flucht vor der Apperception ist. Wird sie aber ein solches Mittel, so wird sie zum dahinrasenden Vehikel, und wir werden zuletzt unfähig sein, es zu steuern und diesem ganzen Unfug überhaupt zu steuern.
pp 241 from Repertorium: ein Begreifbuch von höheren und niederen Lebens-Sachen by
Near fragment in space
Schweren Herzens gekommen, um einen hoffnungslosen Auftrag abzulehnen, ging er, um einen hoffnungslosen Auftrag bis zum äußersten Punkt des eben noch Möglichen durchzuführen; und obwohl ihm der Weg, den zu beschreiten er sich nun so plötzlich entschlossen hatte, bestenfalls in der Intensivstation des Rudolfs-Krankenhauses, eher aber im Irrenhaus zu enden schien, ging er leichteren Herzens. Als er aus dem Regierungsgebäude trat – es hatte vor Zeiten das K. u. K. Kriegsministerium beherbergt -, hob er unwillkürlich den Kopf. Und sah über sich die Köpfe des mächtigen Doppeladlers und fühlte sich sonderbar getröstet, denn in diesem Augenblick schienen ihm die nach beiden Seiten der Welt spähenden Häupter des Adlers als ein Zeichen dafür, daß er auch jetzt noch den beiden Qualitäten der Legitimität und der Kontinuität diente, denen er durch Herkunft und Erziehung, durch Neigung und Charakter verpflichtet war.
pp 124 from Die große Hitze, oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi by
