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Die Stadt ohne Juden - pp 67
Ein eigenartiges Lächeln spielte um den Mund des Franzosen, der nun ausstieg und langsam zu Fuß die Währingerstraße entlang schlenderte, dann in die Nußdorferstraße einbog, mitunter vor einer Auslage kopfschüttelnd stehen blieb, die Preise der ausgestellten Waren zur Kenntnis nahm und so schließlich in die Billrothstraße kam, die im weiteren Verlauf nach den rebenreichen Vororten Sievering und Grinzing führt.
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Bei Generaldirektor Rosenow ist Gesellschaft. Mehr als hundert Gäste sind zum Souper geladen. Die große, schloßähnliche Villa in der Pötzleinsdorfer Allee strahlte im Glanz der elektrischen Kronleuchter, auch die Bogenlampen im Park, der die Villa umgibt, leuchten blau und erhellen auf hundert Meter die ganze Gegend. Ein Auto nach dem anderen fährt vor das Gartenportal, vor dem zwei livrierte Diener die Gäste in Empfang nehmen. Ein dritter Diener geleitet sie die gedeckte Gartentreppe zur Villa hinauf, wo sie von Zofen der Pelze und Mäntel entledigt werden. In der mächtigen Halle begrüßt Generaldirektor Jonas Rosenow zappelnd, aufgeregt, jovial, ehrfurchtsvoll oder schäkernd seine Gäste und führt sie zu einem Tisch, auf dem jeder Herr, jede Dame die Tischkarte findet. Dann betritt man den ersten, in Empire gehaltenen Salon, in dem die Frau Rosenow die Honneurs macht. Der dicken kleinen Dame mit rundem, freundlichen Gesicht fällt das nicht leicht. Von Zeit zu Zeit wirft sie einen flehenden Blick auf die schlanke, hohe, magere Gestalt neben ihr, die ihr dann beispringt. Es ist dies die verwitwete Gräfin Stuppach, jetzt Hausdame bei Rosenows.
pp 10 from Die freudlose Gasse by
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Als sie in der eisgekühlten U6 saß, fand sie die ganze Szenerie plötzlich nicht mehr urban und hip, die Plastiksitze klebten unangenehm an ihren nackten Beinen, die jungen Mädchen sahen alle aus wie vierzehnjährige Nutten, und eine ältere Dame umklammerte ihre Handtasche. An der Station Währinger Straße/Volksoper stieg Anna aus und überquerte den Gürtel. Spätestens beim Gourmet-Spar hatte sie das Gefühl, in der heilen Welt der Vorstadt angekommen zu sein, und obwohl sie manchmal davon träumte, in einem Bezirk zu wohnen, in dem mehr Leben war, fand sie an Tagen wie diesen die Währinger Beschaulichkeit sehr angenehm.
pp 313 from Bis zur Neige - Ein Fall für Berlin und Wien by ,
