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Don Juan de la Mancha - pp 30-31

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Mutter brachte Geschirr und Besteck, Bettwäsche, sogar den Schaukelstuhl, um den wir zu Hause immer gekämpft - was heißt »zu Hause«? Der Marxer Keller war nun mein Zuhause! Um den wir jedenfalls immer gekämpft hatten, solange ich noch bei Mutter wohnte. Den hast du doch so gern, sagte sie. Sie wischte die Küchenschränke aus, räumte das Geschirr ein, überzog das Bett, kaufte im nächsten Supermarkt Grundnahrungsmittel, schwatzte ununterbrochen: Alles wird immer teurer, wie wirst du dir das allein leisten können? Oder: So ein feuchtes Loch! Du wirst noch Rheuma bekommen! Vater wollte, dass ich glücklich werde. Aber Mutter musste mir immer alles madig machen. Die nächsten Tage verbrachte ich hauptsächlich mit Heizen und Schaukeln.
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  Marxergasse

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Statt in Peru hielt sich Herr Gabriel während der ersten vollen Woche im März am Südbahnhof auf und verfolgte mit großer Aufmerksamkeit den Verlauf der Versteigerung unanbringlicher Güter in der Halle vor dem Wartesaal Ost. Einer seiner ehemaligen Gehilfen gab Ruf und Zuschlag und wiederholte ungeniert die Wendungen, die Herr Gabriel während vieler Jahre geprägt hatte: Da drinnen ist ein Walkmann, eine Stereoanlage und ein Klavier. Sie können es glauben oder nicht. Aber vergessen Sie nicht, daß Sie auf Verdacht kaufen. Womöglich sind in dem Koffer nur alte Zeitungen. Ich warne Sie. Ständig warne ich Sie. Schließlich will ich nicht, daß Sie am Ende gezwungen sind, arbeiten zu gehen.
pp 181 from Anna nicht vergessen by Arno Geiger

Near fragment in space

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Ich wollte schon immer nach Wien. Aber nicht, weil ich Geschichten aus dem Wiener Wald gelesen habe. Auch nicht, weil ich Die Strudlhofstiege gelesen habe (das habe ich nicht) und nicht wegen Falco, den ich seit meiner Kindheit verehre; sondern weil ich Malina gelesen habe. Wer das Buch kennt, weiß, dass Wien darin keine sehr große Rolle spielt.

Nach meiner Ankunft habe ich angefangen, die Stadt abzusuchen. Ich habe die Stadt aus dem Buch gesucht. Ich habe nicht viel gefunden. In der Ungargasse: Am Haus Nummer 5 eine Gedenktafel für Beethoven, der seine 9. Sinfonie hier beendet hat. Am Haus 27 eine für Jakob Degen, Schweizer Flugpionier und Erfinder. An 6 und 9 keine Tafeln. Für wen auch.
Ich fand das trotzdem nicht richtig. Ich wollte noch ein steirisches Bier beim alten Heller, Nummer 34, trinken, aber die Gaststube war mir zu finster. Ich kaufte eine Dosa Ottakringer an der U-Bahnstation Rochusgasse und nahm sie mit nach Hause. Alles war anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
pp 16 from Verlass die Stadt by Christina Maria Landerl