« Back to Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés
Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés - pp 62-63
In den fünf Jahren zwischen 1933, der Machtergreifung Hitlers in Deutschland, und der Einverleibung Österreichs 1938 häuften sich Besucher aus Prag im Café Herrenhof. Das Interesse an den Geschehnissen in Österreich nahm in dem Maße zu, in dem man die eigene Bedrohung durch Hitler immer stärker fühlte. Trotz schmälernden Einbußen und Abwertungen, die Wiens Ansehen nach dem Zusammenbruch der Monarchie hinnehmen mußte, galt die einstige Metropole des Habsburgerreiches immer noch als wichtigste Schalt- und Schlüsselposition im Zentrum Mitteleuropas, sowohl in geopolitischer wie in kultureller Hinsicht. Immer noch fuhren wohlhabende Bürger aus Prag, Brünn, Iglau und so weiter, zu großen Opernabenden und Burgtheaterpremieren nach Wien. Nun bangten diese Besucher aus den Nachbarländern um das künftige Schicksal Wiens, als ginge es um die eigene Existenz.
Near fragment in time
Wie ich einmal in München aufgetreten bin, vor über zwanzig Jahren, eingesprungen bin, wie gesagt wird, sagte er, im Grunde nicht der Rede wert, als Heinrich, sagte er, traf ich dort in der Kaufingerstraße einen Kollegen, den ich von früher kannte, aus der Vorkriegszeit, mit dem ich übrigens einmal in der Lerchenfelderstraße ein Untermietzimmer geteilt habe, ungeheizt, wie sich denken läßt, Ratten waren da, nichts zu essen, sagte er, Sie wissen ja, wie das damals war, Amerikaner noch nicht da, Russen schon da, Renner an der Macht, Sie wissen, da habe ich diesen Kollegen gefragt, warum er aus Wien weg ist.
pp 193 from Holzfällen by
Near fragment in space
Leider mußte ich jedoch im Café Central feststellen, daß mein Freund nicht allein dort war. Er saß vielmehr im Kreis seiner jüdischen Literatenclique, die inzwischen unter der Bezeichnung "Jung Wien" zu einiger Berühmtheit gekommen war. Mir blieb also nichts weiter übrig, als mich geduldig dazuzusetzen und für eine Weile das Künstlergeschwätz dieser Leute zu ertragen.
pp 23-24 from Der Walzer der gefallenen Engel by
