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Das Vaterspiel - pp 349-350

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Einmal, es war noch in der ersten Woche meines Dienstes, kam das Fernsehen. Sie hatten es sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet mich beim Verladen eines Kranken zu filmen. Ich fragte, warum mich, und der Redakteur antwortete, weil jeder Ihren Vater kennt. Da das Fernsehen in die Ein-satzzentrale gekommen war, wo keine Kranken zur Verfü-gung standen, weil diese ja nicht bei uns, sondern in den Spitälern abgeliefert wurden, musste einer der Rettungs-fahrer seine Zivilkleidung anziehen, und wir verluden ihn auf der Breitenseer Straße in ein Sanitätsauto. Danach wollte mich der Redakteur interviewen. Er bezeichnete sich selbst als fortschrittlichen Menschen, der den Zuschauern von Österreich Heute die Vorurteile gegen den Zivildienst nehmen wolle. Die Zivildiener, sagte er, werden von vielen Menschen immer noch als Drückeberger bezeichnet. Ich will ihnen zeigen, dass ihr hart arbeitet und ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft seid. Er fragte mich, warum ich Zivildienst mache, und ich antwortete, weil mir das Bun-desheer auf die Nerven gehe.
  Das Vaterspiel
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  Breitenseer Straße

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Ich sei ein typischer Löwe, hörte ich ihn sagen und blickte auf das Eingangsschild des Tiergartens Schönbrunn. Ich hätte Lust gehabt, die Seehunde zu beobachten, Pinguine und Elefanten und den skurrilen Langohr-Wüstenigel in einem gesonderten Abschnitt des Raubkatzentraktes. Der Tod einer Tierpflegerin, die von drei Panthern in unmittelbarer Nähe des Wüstenigels zerissen worden war, hielt mich zurück.
pp 39 from Herzlos by Monika Wogrolly

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Als wir in die Einsatzzentrale zurückkamen, sagte der Nachtdienst: Sie machen jetzt Schluss und melden sich um sieben Uhr in der Früh beim Einsatzleiter. Dann ließ er sich vom Fahrer im Detail berichten, was vorgefallen war. Da es schon vier Uhr morgens war, sah ich keinen Sinn darin, noch schlafen zu gehen. Ich durfte die Dienststelle nun oh-ne das Ausfüllen eines Scheins verlassen und ging in Brei-tensee spazieren. Es begann bald zu dämmern, aber es war noch ruhig in den Straßen. Bald hörte ich das Quietschen von Straßenbahnen, und es kamen die ersten Menschen aus den Häusern. Vor den Supermärkten wurden mit lau-tem Getöse Waren verladen. Ein Fleischhauer schleppte halbe Kälber über die Straße. Der Fahrer eines Lieferwa-gens warf bei einer Trafik zusammengeschnürte Stöße von Zeitungen vor die Tür. Manchmal blieb ich stehen und horchte nur auf die Geräusche. Sie waren laut und klar, je-des Aufeinandertreffen von Gegenständen war al eigener Laut wahrnehmbar, ganz anders als am Tag, wo alles in einem allgemeinen Gedröhn untergeht. Es waren Vogel-stimmen zu hören, und sie kamen von unterschiedlichen Vögeln, die sich angeregt darüber unterhielten, was aus diesem Tag, wenn sie ihn jetzt den Menschen übergaben, noch werden könnte. Die Autos hatten unterschiedliche Startgeräusche. Diejenigen, die sich noch Geltung ver-schaffen konnten, gaben sich dann alle Mühe, die anderen daran zu hindern, mir ebenfalls aufzufallen.
pp 354 from Das Vaterspiel by Josef Haslinger