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Canard Saigon - pp 8-9
Karl Wagner wohnte mit seiner Mutter in der Kleinen Sperlgasse, in einer kleinen Wohnung im obersten Stock eines dreigeschoßigen Gebäudes. Das Haus war schlicht und unauffällig, ohne architektonische Besonderheiten. Als die ersten alliierten Bomber über Wien aufgetaucht waren, war die Fassade mit grauer Schutzfarbe besprüht worden, um kein sichtbares Ziel für Luftangriffe abzugeben. Jetzt unterschied sich das Haus nicht von den anderen Gebäuden im 2. Gemeindebezirk. Außer der kaputten Eingangstür und einigen Einschusslöchern hatte das Gebäude den Krieg nahezu unversehrt überstanden. Ein Granattreffer hatte zwar ein ordentliches Loch ins Dach gerissen, aber keine tragenden Bauteile zerstört. Sie hatten Glück, denn das rechtwinkelig angebaute Nachbargebäude in der Lilienbrunngasse hatte wesentlich mehr abbekommen.
Near fragment in time
„Haben S´ ein Kinoprogramm da?“, erkundigte er sich beim Kellner. Dieser nickte kurz und reichte ihm wenig später die „Reichspost“ vom Tage. Bronstein fand die gesuchte Seite, und sein erster Blick fiel auf das Margaretner Bürgerkino, in dessen unmittelbarer Nähe er ein gutes Jahrzehnt gewohnt hatte. „Oberleutnant Franzl“ wurde dort gegeben, eine volkstümliche Posse mit der süßen Lucie Englisch und der eher hantigen Magda Schneider. Nein, von Uniformen hatte er genug! Außerdem war ihm dieses Lichtspiel ohnehin zu weit entfernt. Wenn, dann wollte er sich in unmittelbarer Nähe von bewegten Bildern berieseln lassen. Seine Augen wanderten die Seite aufwärts zum Programm in den Innenstadtkinos. Am Schottenring wurde immer noch „La Habanera“ gegeben. Eine Südseeschnulze mit vielen Palmen und seichten Melodien. Bronstein hatte den Film vor zwei Monaten gesehen, und damals war der Kontrast zu dem matschig-trüben Wetter in der Wienerstadt wohltuend gewesen. Doch ein zweites Mal verlangte es ihn nicht nach diesem Streifen, auch wenn die Kritik sich ungebrochen vor Begeisterung über die Leistung der Hauptdarstellerin Zarah Leander überschlug.
Blieb das Opern-Kino, keine hundert Meter vom „Smutny“ entfernt. Dort lief „Hoheit flirtet“, eine Produktion aus dem amerikanischen Hollywood.
pp 113-114 from Zores by
Blieb das Opern-Kino, keine hundert Meter vom „Smutny“ entfernt. Dort lief „Hoheit flirtet“, eine Produktion aus dem amerikanischen Hollywood.
Near fragment in space
Die abendliche Frühlingssonne breitete einen goldenen Teppich über den Mosesbrunnen. Der Franziskanerplatz zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der angenehmen Temperaturen wegen hatte das Personal des Kleinen Cafes einige Tische ins Freie gestellt. An einem dieser Tische saß Marc Vanhagen mit seinem Gast. Links ragte ein Teil des Franziskanerklosters in ihr Sichtfeld, dessen Renaissancefassade italienisches Flair nach Wien brachte. An das Kloster schmiegte sich das wahre Prunkstück des Platzes. Die Franziskanerkirche dominierte mit ihrer für einen Sakralbau schmalen, bläulich grauen Fassade das herrliche Ambiente.
pp 499 from Canard Saigon by
