« Back to Canard Saigon
Canard Saigon - pp 61
"Martin, wir fahren nach Simmering. Nimm dir den Ordner mit. Das wird deine Nachtlektüre. [...]" Obwohl der Abendverkehr voll eingesetzt hatte, kamen sie zügig voran. Fünf Minuten vor halb sechs parkten Martin Schilling und Marc Vanhagen ihre Autos vor der Obduktionseinheit. "Es ist ein Skandal, Marc", ätzte Martin. "Die Millionenstadt Wien stellt Container am Zentralfriedhof auf, um Leichen zu obduzieren. Andere Städte haben modernste gerichtsmedizinische Institute, Wien hat Container." "Ja, ja, die lieben Politiker", stimmte Marc ein. "Da haben wir in der Sensengasse die besten Gerichtsmediziner, dann lassen die hohen Herren das Gebäude derart verwahrlosen, dass es die Baubehörde schließen muss.
Near fragment in time
Wozu in die Ferne schweifen, dachte er sich, gab es doch in seiner Gasse gleich zwei Häuser weiter ein Etablissement, in dem ein Ablenkung suchender Herr im gestandenen Mannesalter auf seine Kosten kommen sollte. Der Zubau zum Haus Nummer 11 war schon 1884 errichtet worden und hieß eine gute Weile „Moulin Rouge“, ehe man sich in der Republik von der kosmopolitischen Weitläufigkeit verabschiedet und den eher provinziellen Namen „Zur schiefen Laterne“ erwählt hatte. Lange Zeit konnte man die „Laterne“ getrost vergessen, denn viel mehr als eine fade Nummernrevue wurde dem Publikum dort nicht geboten. Zuletzt allerdings, so hatte Bronstein gehört, war es mit dem Haus wieder deutlich bergauf gegangen, wofür nicht nur witziges Kabarett verantwortlich war, sondern auch die engagierten Damen, die der Bezeichnung „Lustspieltheater“ eine eigene Note gaben.
pp 115-116 from Zores by
Near fragment in space
Die abendliche Frühlingssonne breitete einen goldenen Teppich über den Mosesbrunnen. Der Franziskanerplatz zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der angenehmen Temperaturen wegen hatte das Personal des Kleinen Cafes einige Tische ins Freie gestellt. An einem dieser Tische saß Marc Vanhagen mit seinem Gast. Links ragte ein Teil des Franziskanerklosters in ihr Sichtfeld, dessen Renaissancefassade italienisches Flair nach Wien brachte. An das Kloster schmiegte sich das wahre Prunkstück des Platzes. Die Franziskanerkirche dominierte mit ihrer für einen Sakralbau schmalen, bläulich grauen Fassade das herrliche Ambiente.
pp 499 from Canard Saigon by
