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Zores - pp 112-113

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In der Augustinerstraße kam ihm ein Streifenwagen entgegen, bald darauf ein weiterer. Offenbar hatten die Kollegen Verstärkung angefordert. Bronstein hielt auf die Albertina zu, nahm aber dann spontan davon Abstand, sich in den Augustinerkeller zu begeben. Stattdessen beschloss er, sich beim „Smutny“ ein herzhaftes Fiakergulasch zu gönnen. Gemeinsam mit zwei Seideln Bier würde das seine Nerven wieder einigermaßen ins Lot bringen, dachte er. Eine halbe Stunde später konnte er mit großer Vorfreude seine „Donau“ ausdämpfen, denn vor ihm dampfte nun die bestellte Speise. Aus dem dickflüssigen rotbraunen Saft erhoben sich würfelförmige Fleischstücke, neben denen ein Ehrfurcht gebietend großer Semmelknödel seinen Platz gefunden hatte. In der Mitte glänzte ein Spiegelei, das von zwei kleinen Frankfurtern flankiert wurde, während am Tellerrand ein aufgefächertes Gewürzgurkerl für einen farblichen Kontrast sorgte. Dazu hatte der Kellner noch einen Brotkorb dazugestellt, aus dem eine goldbraun gebackene und leicht mit Mehl angestaubte Semmel förmlich danach schrie, von Bronstein verzehrt zu werden. Er tat einen langen kräftigen Schluck von seinem Ottakringer und griff dann mit der linken Hand zur Semmel, während seine rechte die Gabel aufnahm.
  Zores
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Near fragment in time

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Als sie in die Lieblgasse einbog, ballte sie unwillkürlich die Faust ihrer rechten Hand um den Trageriemen ihrer weißen Ledertasche. Die Straße war um diese Zeit, 15 Minuten nach zehn Uhr abends, nicht sehr belebt. Vor einem halben Jahr hatten sie hier einige Skinheads angepöbelt. Der Vorfall war glimpflich ausgegangen, aber seither hatte sie ein ungutes Gefühl, wenn sie nachts diese Straße entlanglief. Sie wechselte die Straßenseite und lächelte unwillkürlich, als sie ihre eigenen Schritte hörte. Die neuen weißen Schuhe waren noch nicht eingelaufen. Die hohen Absätze klapperten hörbar auf dem harten Untergrund. An der nächsten Straßenecke bog sie links in die Puchgasse ein. Seit hier im September eine neue Polizeiinspektion eröffnet worden war, fühlte sie sich auf diesem Weg sicherer. Ihr neuer Heimweg führte über die Puchgasse, rechts in die Maculangasse und quer über die Tillmanngasse. So erreichte sie die Rückseite ihres Wohnblocks. Die Puchgasse, die durch ein Gewerbegebiet ohne Wohnhäuser verlief, war menschenleer, als sie an der hell erleuchteten Polizeiinspektion vorbeiging.
pp 31 from Canard Saigon by Harald Friesenhahn