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Bis zur Neige - Ein Fall für Berlin und Wien - pp 471-472

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Wie am Ende eines Falles spürte er eine unendliche Müdigkeit und eine bleierne Melancholie. Er schaute Anna an, um deren Mund sich zwei tiefe Falten gegraben hatten. Sie starrte missmutig und angeekelt auf den schmutzigen Zettel. »Furchtbar. Er ist der Schlimmste von allen.« »Aber ist doch nett von ihm, dass er uns so viel Ermittlungsarbeit erspart hat. Und ansonsten, wir sind doch in Wien: Das Hässliche verdrängen wir, sonst könnten wir sowieso nicht weitermachen. Ist doch unser Prinzip schon seit Jahrzehnten.« »Deins vielleicht.« »Deins auch.« »Ich weiß nicht. Gerade bin ich wieder mal an dem Punkt angekommen, wo ich aufhören will.« »Kannst du doch gar nicht.« »Ich geh aufs Land und werd Winzerin.« »Keine schlechte Idee. Da komm ich mit. Wir übernehmen einfach Bachmüllers Klitsche. Vielleicht schaffen wir’s ja, Arnie Schwarzenegger als Werbeträger zu gewinnen, der hat ja bald viel Zeit.« Sie lachten, und Bernhardt gab sich einen Ruck. »Aber bevor wir aufs Land fahren, ärgern wir noch einmal den netten Portier vom Hotel Regina.« »Ich bin sicher, der hat das letzte Zimmer gerade vergeben.«
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  Hotel Regina

Near fragment in time

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Dort war die Hofburg, da das Burgtor. Dahinter säumten Bäume die Ringstraße. Rechts ragte ein Denkmal auf. Zwei Basilisken. Kopf an Kopf, Knie an Knie, kämpften und drückten. Aber es sah auch aus, als stützten sie einander.
In der Mitte des Platzes sein Bett. Er fühlte sich wie in einer Filmkulisse. Sogar der Himmel wirkte unecht. In diesem orangenen Halblicht schien alles zwei Seiten zu haben. Die Bäume, die Gitter an den Toren, die Hofburg selbst, alles war natürlich und echt und zugleich von erbarmungsloser Glattheit.
pp 380- from Die Arbeit der Nacht by Thomas Glavinic

Near fragment in space

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Schäfer brauchte jemanden, der psychologisch geschulter war als er, einfühlsamer und erfahrener. Doch keinen der üblichen Gerichtspsychiater, die sich als Profiler selbst profilieren wollten und ihm sagten, dass der Täter männlich war, zwischen fünfundzwanzig und fünfundvierzig und vermutlich irgendwann ein schweres Trauma erlitten hatte. Er brauchte jemanden, der ihn die Beweggründe fühlen ließ. Der ihm die Köpfe und Herzen dieser Monster öffnete. Schäfer wischte mit dem Mantelärmel über eine nasse Sitzbank hinter der Votivkirche, setzte sich und nahm sein Telefon heraus.
pp 165 from Ohnmachtspiele by Georg Haderer