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Hundegeschichte - pp 88
den Boden unter den Füßen zu verlieren, diese menschliche Angst hast du für immer verloren, auch wenn das allererste Mal mit mir ins Wasser gegangen zu sein, eine Feuer- und Wasserprobe gewesen sein wird eines heiligen Bundes – immer von neuem allerletzte Scheu davor überwindend, wird es ihr, wie gern ich ihr reine Freude an einem neuen Element erschlossen hätte, ja doch auch das Feuer bleiben, durch welches sie nur für mich geht (mag auch Tage später im Türkenschanzpark Mariannes Erheiterung über einen jungen Wolfshund, der sich im halb abgelassenen Ententeich tummelt, dich dazu bringen, daß du nun aus Eifersucht ein wenig ins Wasser gehst, von ihrem enthusiastischen Lob begleitet, dich durch den Schlamm kämpfst), und so hat es mir besonders das Bauchi-Bauchi angetan, welches sie mir nicht aus Liebesbedürftigkeit anträgt: wenn ihr, an einem Wasser neben mir liegend, plötzlich schwand, ich würde sie sogleich auffordern, doch mit mir ein bißchen …, läßt sie, türkische Odaliske im Bade, mit einem tiefen Blick sich in die innigste Bauchi-Bauchi-Haltung sinken, nickt mir zu, und in der Belustigung über das Raffinement, das ihr Unschuldsengelin ansonsten fehlt, ist das Vorhaben schon vergessen.
Near fragment in time
Kaum einer von den zahlreichen Schriftstellern, Künstlern und sonstwie dem Geistesleben schöpferisch oder rezeptiv verbundenen Stammgästen des Café Herrenhof fiel so sehr aus der allgemein üblichen Klischeevorstellung vom Habitus eines Intelektuellen oder gar eines Bohémiens wie der Dichter Alexander Lernet-Holenia. Mit seiner schmalen, schlanken, hochgewachsenen Erscheinung, der lässig eleganten Kleidung, der strammen Haltung stand er in schroffem Kontrast zum Durchschnitt der nervös-betriebsamen oder kontemplativ in Gespräche versunkenen Typen, die das "Herrenhof" bevölkerten: Ein "ritterlicher Poet", ein "letzter Kavalier und Grandseigneur" hatte sich in die wildweidende Herde wichtigtuerischer Kaffeehausliteraten und Journalisten verirrt.
pp 121 from Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés by
Near fragment in space
Das Heulen der Sirenen trieb sie mit den Kindern in einen Bergwerkstollen, der sich am Hang des Hartäckerparks befand, es war die am nächsten gelegene Möglichkeit, vor den Bomben Schutz zu suchen. (…) Man rannte durch die Gassen, aus allen Häusern, die keinen eigenen Schutzkeller besaßen, flüchteten die Bewohner, und dann saß man im feuchten, kalten Stollen auf Klappsesselchen, es tropfte von der lehmigen Deck, und eine angespannte, nur von leisen Seufzern oder Husten durchsetzte Stille herrschte, bis die Sirene draußen „Entwarnung“ gab.
pp 226 from Im Schatten der Zeit by
