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Zwischen zwei Nächten - pp 31

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Die Begeisterung der anderen Frauen steckte mich an. Singend und lachend zogen wir dann mitten in der Nacht die Mariahliferstraße hinunter. Keiner wagte uns zu stoppen. Die Bullen fuhren brav neben uns her, wie der Begleitschutz bei einem Staatsbesuch. Völlig ratlos - , denn sie wissen nicht, was sie tun.' Wahrscheinlich hatten sie keine bestimmten Befehle erhalten. Und die Wiener hatten etwas zu gaffen. Mein Gott, war das schön, Annemarie! Ich beschmierte mit meinem sündteuren Lippenstift die Auslagen der Sex-Shops mit wüsten Sprüchen.
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„Nachmittag gehe ich mit A. und Jockerle in den Prater. Um die Hauptallee und Jesuitenwiese herum zahllose Bombenkrater, uralte Praterbäume liegen entwurzelt herum, es ist ein trauriger Anblick. Dabei sind die Bomben daneben gegangen – […]. Unter den Bäumen vor der ehemaligen Rotunde stehen seit 1941 viele hunderte Beutewagen, große Amerikaner und LKWs […]. Wir gehen zur zerstörten Krieau – ein einziger Trümmerhaufen. Das Haus steht windschief und abgedeckt noch aufrecht, […] Das Stadion zeigt mehrere Treffer und besitzt keine ganze Scheibe mehr.“
pp 113-114 from Josef Schöner Wiener Tagebücher 1944/1945 by Gerald Stourzh

Near fragment in space

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Er spazierte über die Mariahilfer Straße, um nach Weihnachtsgeschenken für seine Eltern zu suchen. Wie viele andere Familien hatten auch sie schon vor Jahren verabredet, dass sie sich nichts schenken würden - doch diese Abmachung hatte alles nur noch komplizierte gemacht: Jetzt konnte er nicht einmal mehr fragen, was sie gerne hätten. Und er selbst konnte nur hoffen, dass seine Mutter beim üblichen Rollkragenpullover nicht wieder ihre Lieblingsfarben mit seinen verwechselte. Die losgelassene Einkaufswut auf der Mariahilfer Straße ging ihm jedoch schon nach ein paar Minuten so auf die Nerven, dass er in die Neubaugasse flüchtete. In einem Werkzeuggeschäft kaufte er für seinen Vater zwei feine Schnitzmesser - geschmiedet in Japan und zu einem Preis, den sein sparsamer Vater nie erfahren durfte, da ihm sonst jede Freude an dem Geschenk verginge.
pp 208-209 from Ohnmachtspiele by Georg Haderer