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Malina - pp 120

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"Im Café Heumarkt bin ich immer noch böse auf Lina, denn sie ist die gefährliche Mitwisserin mancher meiner Gedanken, sie hört mich auch manchmal Sätze am Telefon sagen, die für sie die reine Häresie sind und die es ihr erlauben würden, mich sofort aus dem Fenster zu stürzen, mich auf die Guillotine zu schicken, in die Garotte, mich auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen."
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  Kulinarik
  Café Heumarkt

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Zwei Wochen später ging Alexej von Repin durch das Häuserlabyrinth der Josefstadt. Er schlenderte ohne Plan oder Ziel, er flanierte nur so vor sich hin. Er wanderte die Lazarettgasse entlang, die wohl deshalb so hieß, weil das Krankenhaus gleich hinter ihr lag, bog nach links in die Pelikangasse ab (vorbei an einer großen Metzgerei, die, wie die hebräischen Schriftzeichen in ihrem Schaufenster verrieten, mehr wahr als nur koscher, nämlich "glattkoscher"), überquerte die Alserstraße, ließ willenlos zu, dass seine Füße ihn die Kochgasse entlangtrugen (hier kam Alexej ein Pulk von Talmudschülern entgegen, nicht umsonst hieß die Leopoldstadt "Mazzesinsel"); er bog am Post- und Telegrafenamt (eigentlich seltsam, dass es so hieß, telegrafierte denn heute noch jemand?) wiederum links in die Florianigasse ein und spazierte am Schönbornpark vorbei (einer angestaubten grünen Oase in diesem steinernen Meer); und dann, während hinter ihm rostrot das Tageslicht im Westen versank, folgte er der Straße einfach immer weiter auf den Ring und die Innere Stadt zu.
pp 48 from Der Komet by Hannes Stein

Near fragment in space

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Dieses Malheur, nämlich im Handumdrehen von einem sauberen Legationsrat in eine graugelb überpuderte Hadesfigur verwandelt zu werden, widerfuhr dem Dr. Tuzzi just, da er in die Gasse einbog, in der Frau Atropijan wohnte, eine Straße aus dem Vormärz, mit würdevoll ernsthaften Häusern, wie sie hinter dem Heumarkt zu finden sind. Eben noch lag die Häuserzeilenperspektive klar und übersichtlich vor ihm – im nächsten Moment war sie verdeckt von einer gelbbraunen Wolke, die mit Windeseile daher und über Tuzzi hinwegfuhr, viel zu schnell, als daß er sich noch in ein Haustor hätte flüchten können.
pp 159-160 from Die große Hitze, oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi by Jörg Mauthe