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Holzfällen - pp 48

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Der Auersberger sagte einmal kurz, dass er das Theater hasse, immer wenn er mehr als ihm von seiner Frau zugestanden, getrunken hatte, kehrte er aufeinmal, wie ich sagen muss, sein Innerstes blitzartig nach außen, war also plötzlich als dieser noch gar nicht da gewesen war, auf den Schauspieler losgegangen, hatte das Burgtheater berechtigterweise, muss ich sagen, einen Saustall und den erwarteten Schauspieler einen größenwahnsinnigen Stichwortbringer genannt, war aber sofort von seiner Frau, der Auersberger, zurechtgewiesen worden;...
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  Burgtheater

Near fragment in time

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Das Café de l`Europe hatte einige merkwürdige Eigenschaften. Zunächst war es bummvoll, sommers und winters und zu welcher Tageszeit man es betrat. Denn es war kein Aufenthalts- sondern ein Durchgangscafé. Die Glastüre im Eingang drehte sich ununterbrochen, Tag und Nacht, und oft konnte man während einer Stunde denselben Hut, denselben Bart, dieselbe Diebsnase zehnmal in Rotation sehen. Man kam schauen und ging. [...] Zweitens: Von hier ging das Zitat aus "Ende nie". Das Café de l`Europe war ein großstädtisches Perpetuum mobile, ein Wunder der Rastlosigkeit und Unaufhörlichkeit und als solches auf Nachtfürchtige und Todesängstliche beruhigend wirkend. In der Früh saßen Übernächtige und Ebenaufgestandene an einem Tisch und sahen sich aus fernen Welten an; jene mit heuchlerisch-überschärftem, wegscheuem Verachtungsauge, diese feuchtwimprig, frischgewaschen, rosenbackig, voll überlegenem Neid - zwei Rassen: Tag- und Nachtmensch, Lüderjahn und Bürger, einander widersprechend wie Lackschuh auf tauigem Almgras.
pp 35 from Zeitgeist im Literatur-Café by Anton Kuh

Near fragment in space

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Letztes Semester tauchte er plötzlich in der Publizistik auf. Und es war mir fast unangenehm, ihn zu kennen. Darf ich Sie etwas fragen, sagte er zu mir. Wenn er wenigstens gesagt hätte: Kennst du mich noch?, oder: Darf ich eh du sagen? Nein, er siezte mich. Ich war völlig perplex. Na klar, habe ich gesagt, was gibt es denn?
Ich habe gehört, dass Sie ein Zimmer vermieten.
Das müssen seine Eltern von meinen Eltern erfahren haben. Der Vormieter von diesem schönen weißen Raum hier war gerade ausgezogen. Das war ein Bühnenbildner aus Karl-Marx-Stadt, der ein Jahr lang für das Burgtheater gearbeitet hatte. Du hast ja den Uwe noch kennen gelernt.
Brigitte hatte sich an Mimi gewandt.
Ja, aber nur zum Abschiedsfest.
Oh Gott, war das ein trauriges Fest. Er hat ja eigentlich bleiben wollen. Aber er hat auch keine Lust gehabt, sich mit der DDR anzulegen und den Dissidenten zu spielen. So richtig wohl gefühlt hat er sich nicht bei uns. Einmal hat er zu mir gesagt, es seien gar nicht so sehr seine Freunde, die ihm fehlen. Am meisten fehle ihm die Bedeutung seiner Arbeit. Hier sei alles so bedeutungslos. Man könne etwas so machen, oder auch anders. Zwei Tage nach der Premiere sei das schon vollkommen egal.
pp 194-195 from Das Vaterspiel by Josef Haslinger