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Kaffeehaus war überall. Briefwechsel mit Käuzen und Originalen - pp 57
(Justinian Frisch an Friedrich Torberg) Das Element der Dauer. Dieses tertium comparationis, von mir um des lieben Friedens willen anerkannt, ist unzulässig. Vielmehr ist es für den Besucher des Café Herrenhof typisch, daß er es liebt, größere Pausen einzuschalten, in denen er es mit einem anderen Kaffeehaus versucht, sozusagen Urlaub zu nehmen oder am Ende ganz und gar auszubleiben (dies besonders dann, wenn seine Zech- und Spielschulden allzusehr angewachsen sind). Er ist seinem Stammlokal nicht treu, er ist meistens chronischer Gast, wird machmal rückfällig und geht wieder ins Central, und unmerklich verändert sich ein Publikum, in dem es nur einige wenige ruhende Pole gibt.
Near fragment in time
Das Café de l`Europe ist jetzt gesperrt worden. Eine Bankfiliale soll an seine Stelle kommen. Der Stefansplatz ist wieder rein-christlich (bis auf den Rothberger) und keusch-bajuvarisch - das Wahrzeichen für Paris und Balkan verschwindet. Ist das nicht zukunftsdeutend für Wien, die deutsch-österreichisch eingeschrumpfte Ex-Hauptstadt eines in Kaffeehäuser vereinten Völkerstaates? Ist es nicht symbolisch für seine Rückentwicklung in eine knödlig-biedere, werktätig-solide Kleinstadt?
pp 36 from Zeitgeist im Literatur-Café by
Near fragment in space
Herr Hnatek, König aller Kellner, war ein solcher Meister der würdigen Pose, daß er, hätte er es gewollt, als jenes dekorativste aller Wesen, ein großer deutscher Dichter, hätte auftreten können. In der Tat wurde Thomas Mann, als er einmal in Wien eine Vorlesung hielt, von den Besuchern des Café Herrenhof mit Herrn Hnatek und zu dessen Gunsten verglichen.
pp 72-73 from Rückkehr nach Wien by
