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Das Vaterspiel - pp 190

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Als ich mit der ersten Wand fertig war, zog ich die Handschuhe aus, zündete mir eine Zigarette an und betrachtete mein Werk. Noch sah die ganze Wand fleckig aus, weil die Farbe nicht regelmäßig getrocknet war. Am Boden hatte ich weit weniger Farbspritzer hinterlassen als bei uns in der Garage. Ich wusste nicht, wohin mit der Asche meiner Zigarette. Ich ging in die Küche und nahm eine Untertasse aus dem Schrank. Auf dem Fenster klebten Strohsterne. Wenn ich vom Kühlschrank aus schräg durch die Scheiben schaute, konnte ich ein kleines Stück von der Neubaugasse sehen. Ich sah den roten Doppeldeckerautobus der Linie 13A vorbeifahren. Und dann war mir, als würde ich unter den vielen Fußgängern, die an den Schaufenstern entlanggingen, auch Brigitte und Mimi erkennen. Mimi mit ihrem auffälligen Hut, Brigitte mit ihrem riesigen Busen. Sie waren nur kurz zu sehen, und ich war im nächsten Moment schon überzeugt, dass ich mich getäuscht hatte. Brigitte war wahrscheinlich in ihrem Zimmer. Ich suchte im Kühlschrank nach Bier. Da ich keines fand, öffnete ich einen Tetrapak mit Apfelsaft. Zuerst trank ich nur ein Glas, im Laufe des Ausmalens leerte ich die ganze Packung. Aus Brigittes Zimmer war nichts zu hören, nicht einmal mehr Musik.
  Das Vaterspiel
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  Neubaugasse

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Diese vielen ekelhaften Menschen, Menschen, nun, diese vielen ekelhaften Erscheinungen im damit vollgestopften Autobus 74 A, die Landstraßer Hauptstraße hinauf oder hinunter, welche Qual, ihnen mehrmals täglich ausgesetzt zu sein, ihnen und ihren mitgeführten, mit sich getragenen Schicksalen, Lebensgestaltungen, Alltagsbewältigungen, Kinderwagen, Krücken; Inländer, Ausländer, Wiener, Asiaten, gleichviel, nein, gleichviel nicht, die Wiener, die 'Hiesigen', sind allemal scheußlicher, Paare vor allem, alte und ältere, verstunkene Wiener Ehepaare, wie sie hereinzittern 'in den Autobus', wie sie hinauszittern 'aus dem Autobus', dem Autobus 74 A, fürsorglich um einander bemüht und eben deshalb einander abrundtief gram, wie ich sie hasse!
pp 51 from Kalte Herberge by Werner Kofler

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Na ja halt so. - Übrigens gibt’s in dem Viertel da wirklich ein paar ganz exquisite Architekturspezialitäten. Wenn du dann heimgehst, schau dir drüben in der Mondscheingasse das Haus Nr. 3 an. Sowas Irres hast bestimmt schon lange nicht gesehn. Unten wächst das Haus aus einem riesigen Stukkaturbaum heraus, die Yggdrasil vermutlich, oben droben sind dann ungeheure Löwenköpfe – kein Vergnügen für Leute, die in derselben Höhe vis-à-vis wohnen. Und dieses Haus zieht sich irgendwie, aber man weiß nicht genau, wie, hinüber bis in die Kirchengasse. Dort brüllen die Löwen dann in die Gegenrichtung. Oder weiter unten, an der Ecke Stiftgasse und Siebensterngasse, das Eckhaus – dort hocken am Dachfirst die risiegsten Greife, die du je erblickt hast. Warum schaust mich denn so an?
pp 165 from Die große Hitze, oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi by Jörg Mauthe