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Das Vaterspiel - pp 292-293
Das Interview war in der farbigen Wochenendbeilage der Zeitung abgedruckt. Mein Vater war gerade aus dem Parteivorstand ausgeschieden und sprach über sein Leben nach der Politik. Er erzählte von seinen wirtschaftlichen Projekten, und er erzählte von seinem neuen privaten Glück, das er gefunden habe. Er erzählte, dass er zu rau-chen aufgehört habe, und er erzählte auch, dass seine neue Lebenspartnerin schwanger sei. Es gab ein großes Farbbild der beiden. Sie standen im Volksgarten vor dem Rosenbeet. Mein Vater hatte den Arm um die Schnepfe gelegt und zeig-te mit der anderen Hand hinüber zum Theseustempel. Viel-leicht sagte er gerade: Da drüben habe ich als junger Stu-dent einmal Haschisch geraucht.
Von da an kam wieder Bewegung in unsere halbe Idylle. Ich fuhr zum Standesamt, um meinen Vornamen ändern zu lassen. Ich wollte nicht länger wie mein Vater heißen. Der Federstrich wuchs sich zu einer umständlichen Prozedur aus, zu einem bürokratischen Akt, der mehrere Monate dauerte. Zum Glück hatte der Beamte den Kurier nicht ge-lesen und kannte meinen Vater auch nicht persönlich. So konnte ich ihm erzählen, dass ich im Computerbusiness tätig sei und dass es zunehmend schwieriger werde, allein die Post in unserem Haus auseinander zu sortieren. Nicht nur bei Anrufen, mittlerweile leider auch bei wichtigen Zahlungen komme es immer wieder zu Missverständnissen und Verwechslungen. Dafür hatte der Beamte großes Ver-ständnis. Ich schlug vor, meinen kirchlichen Taufnamen Rupert anzunehmen, und hatte gleich auch die entsprechende Urkunde mitgebracht. Der Beamte sagte, die Na-mensänderung müsse bekannt gemacht werden, und es hätten alle österreichischen Rupert Kramers, die der Mei-nung sind, ihnen könnte aus einer Namensänderung ein Schaden erwachsen, Einspruchsrecht.
Von da an kam wieder Bewegung in unsere halbe Idylle. Ich fuhr zum Standesamt, um meinen Vornamen ändern zu lassen. Ich wollte nicht länger wie mein Vater heißen. Der Federstrich wuchs sich zu einer umständlichen Prozedur aus, zu einem bürokratischen Akt, der mehrere Monate dauerte. Zum Glück hatte der Beamte den Kurier nicht ge-lesen und kannte meinen Vater auch nicht persönlich. So konnte ich ihm erzählen, dass ich im Computerbusiness tätig sei und dass es zunehmend schwieriger werde, allein die Post in unserem Haus auseinander zu sortieren. Nicht nur bei Anrufen, mittlerweile leider auch bei wichtigen Zahlungen komme es immer wieder zu Missverständnissen und Verwechslungen. Dafür hatte der Beamte großes Ver-ständnis. Ich schlug vor, meinen kirchlichen Taufnamen Rupert anzunehmen, und hatte gleich auch die entsprechende Urkunde mitgebracht. Der Beamte sagte, die Na-mensänderung müsse bekannt gemacht werden, und es hätten alle österreichischen Rupert Kramers, die der Mei-nung sind, ihnen könnte aus einer Namensänderung ein Schaden erwachsen, Einspruchsrecht.
Near fragment in time
2.10 Stadttempel
1., Seitenstettengasse 4
Hinter der Fassade dieses bürgerlichen Stadthauses verbirgt sich die älteste noch existierende Synagoge Wiens, die heute das Zentrum des jüdisch-religiösen Lebens in Wien darstellt. Die Geschichte dieses Gebäudes ist eine sehr bewegte und beinhaltet zahlreiche Elemente, die den Umgang Wiens mit seiner jüdischen Bevölkerung sehr deutlich machen. Gab es sowohl in der mittelalterlichen Judenstadt als auch im Getto im 17. Jahrhundert Synagogen, war den Wiender Juden nach der Auflösung des Gettos 1670 bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts verboten, öffentlich ihre Religion auszuüben und eine Synagoge zu erichten. 1824 war es dann so weit, dass den Wiener Juden genehmigt wurde zu errichten. 1824 war es dann so weit, dass den Wiender Juden genehmigt wurde, eine Synagoge zu erbauen. Der Wiender Biedermeierarchitekt Josef Kornhäusl waurde mit dem Synagogenbau beauftragt. Er plante einen längsovalen überkuppelten Zentralraum mit umlaufenden Galerien, die von monumentalen Säulen getragen werden und die Frauenemporen beherbergen. Die Architektur des Wiener Stadttempels ist Ausdruck der Konflikte zwischen den traditionellen und den assimilierten Juden. So war bereits die ovale Form der Synagoge untypisc für synagogale Architektur. Die Bima stand nicht mehr in der Mitte des Raumes sondern wurde an den Rand gerückt und befand sich vor dem Toraschrein. Max Eisler, einer der bekanntesten zeitgenössischen Theoretiker des Synagogenbaus, kritisierte den Stadttempel als bourgeois und areligiös, für ihn war der Bau ein „Tempel des rationellen Humanismus“ , der „draußen wie ein Zinshaus, drinnen wie ein Theater“ ausschaue und doch nichts anderes sei als „ein Mantel ohne Kern“. Den im Vormärz geltenden Bauvorschriften Josephs II. für nichtkatholische Gotteshäuser entsprechend war der Bau von der Straße aus nicht sichtbar, sondern hinter der Fassade eines Stadthauses „versteckt“. Dieser Tatsache wiederum verdankt der Stadttempel, dass er während des Novemberprogroms 1938, in der so genannten Kristallnacht, nicht angezündet wurde, da die Gefahr bestand, dass der ganze Häuserblock in Flammen aufgehen würde. Die von den Nazis zerstörte Innenausstattung wurde rekonstruiert und 1963 generalsaniert. Insgesamt wurden im November 1938 über 70 Wiener Synagogen und Bethäuser zerstört. Die Eröffnung des Stadttempels im Jahr 1926 ist auch Zeichen langsamer gesellschaftlicher Anerkennung und wachsenden Selbstbewusstseins des Wiener Judentums. Isak Noa Mannheimer wurde als bedeutender Prediger nach Wien geholt. Es gelang ihm, Reformen einzuführen, die sowohl von reformierter Seite als auch von orthodoxer Seite akzeptiert wurden. Unterstützt wurde er vom jungen Kantor Salomon Sulzer, der die Synagogalmusik reformiert. Er fand durch seine Musik und seine Stimme weit über die Kreise der Judenschaft hinaus Anerkennung. Mannheimer selbst war offiziell als „Direktor der israelischen Religionsschule“ nach Wien gekommen, nur de facto war er als Rabbiner tätig. Er unterstütze die Revolution von 1848 und engagierte sich für die bürgerliche Gleichstellung der Juden (-> Märzpark). Gebrauchte Kaiser Franz Joseph bereits 1849 gegenüber einer Abordnung von Juden die Formulierung „Israelitische Gemeinde von Wien“, so kam es erst 1852 zur formalrechtlichen Anerkennung der Wiener Juden als Gemeinde, 1853 wurde Leopold von Wertheimstein zum ersten Präsidenten gewählt. Die Israelitische Kultusgemeinde übernahm es nun offiziell, ein soziales Netz für ihre Mitglieder von der Geburt bis zum Tod zu knüpfen: von Unterstützungen von Witwen und Waisen, Fürsorge für Arme und Berufsunfähige, Krankenpflege und Bestattung über Lehrhauseinrichtungen und Gewährung freien Unterhalts für mittellose Schüler bzw. Rabbinatskandidaten bis hin zur Ausstattung armer Bräute. Auch heute nicht verfügt die Kultusgemeinde über zahlreiche soziale Einrichtungen wie ein Altersheim, das psychosoziale Zentrum ESRA, aber auch Schulen und Kindergärten (->Serviceteil) Die Konstitution der Gemeinde und Zugeständnisse an die Emanzipation, deren Höhepunkt die bürgerliche Gleichstellung der Juden duch das Staatsgrundgesetz war, machte Wien zum Anziehungspunkt für Juden aus den Provinzen der Monarchie. Die Hoffnung auf wirtschaftliche und soziale Aufstiegschancen führten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem sprunghaften Anstieg der jüdischen Bevölkerung in Wien (1860: 5200, 1869: 40.000, 1880; 73000). 1938 lebten ca. 180.000 Juden in Wien, die durch den NS-Terror bis auf wenige Ausnahmen vertrieben oder umgebracht wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen kaum mehr Wiener Juden zurück, heute zählt die Kultusgemeinde ca. 7000 Mitglieder. Die Synagoge ist im Rahmen von Führungen zu besichtigen. In diesem Gebäude befindet sich auch der Sitz der Israelitischen Kultusgemeinde und die Bibliothek des jüdischen Museums. Der angrenzende Seitenstettenhof stammt ebenfalls von Josef Kornhäusl. Das Erdgeschoß wurde 1999 vom jungen Wiender Architektenteam Karin Nekola und Josef Schweighofer für ein koscheres Restaurant umgebaut
pp 71-73 from Jüdisches Wien - Stadtspaziergänge by ,
1., Seitenstettengasse 4
Hinter der Fassade dieses bürgerlichen Stadthauses verbirgt sich die älteste noch existierende Synagoge Wiens, die heute das Zentrum des jüdisch-religiösen Lebens in Wien darstellt. Die Geschichte dieses Gebäudes ist eine sehr bewegte und beinhaltet zahlreiche Elemente, die den Umgang Wiens mit seiner jüdischen Bevölkerung sehr deutlich machen. Gab es sowohl in der mittelalterlichen Judenstadt als auch im Getto im 17. Jahrhundert Synagogen, war den Wiender Juden nach der Auflösung des Gettos 1670 bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts verboten, öffentlich ihre Religion auszuüben und eine Synagoge zu erichten. 1824 war es dann so weit, dass den Wiener Juden genehmigt wurde zu errichten. 1824 war es dann so weit, dass den Wiender Juden genehmigt wurde, eine Synagoge zu erbauen. Der Wiender Biedermeierarchitekt Josef Kornhäusl waurde mit dem Synagogenbau beauftragt. Er plante einen längsovalen überkuppelten Zentralraum mit umlaufenden Galerien, die von monumentalen Säulen getragen werden und die Frauenemporen beherbergen. Die Architektur des Wiener Stadttempels ist Ausdruck der Konflikte zwischen den traditionellen und den assimilierten Juden. So war bereits die ovale Form der Synagoge untypisc für synagogale Architektur. Die Bima stand nicht mehr in der Mitte des Raumes sondern wurde an den Rand gerückt und befand sich vor dem Toraschrein. Max Eisler, einer der bekanntesten zeitgenössischen Theoretiker des Synagogenbaus, kritisierte den Stadttempel als bourgeois und areligiös, für ihn war der Bau ein „Tempel des rationellen Humanismus“ , der „draußen wie ein Zinshaus, drinnen wie ein Theater“ ausschaue und doch nichts anderes sei als „ein Mantel ohne Kern“. Den im Vormärz geltenden Bauvorschriften Josephs II. für nichtkatholische Gotteshäuser entsprechend war der Bau von der Straße aus nicht sichtbar, sondern hinter der Fassade eines Stadthauses „versteckt“. Dieser Tatsache wiederum verdankt der Stadttempel, dass er während des Novemberprogroms 1938, in der so genannten Kristallnacht, nicht angezündet wurde, da die Gefahr bestand, dass der ganze Häuserblock in Flammen aufgehen würde. Die von den Nazis zerstörte Innenausstattung wurde rekonstruiert und 1963 generalsaniert. Insgesamt wurden im November 1938 über 70 Wiener Synagogen und Bethäuser zerstört. Die Eröffnung des Stadttempels im Jahr 1926 ist auch Zeichen langsamer gesellschaftlicher Anerkennung und wachsenden Selbstbewusstseins des Wiener Judentums. Isak Noa Mannheimer wurde als bedeutender Prediger nach Wien geholt. Es gelang ihm, Reformen einzuführen, die sowohl von reformierter Seite als auch von orthodoxer Seite akzeptiert wurden. Unterstützt wurde er vom jungen Kantor Salomon Sulzer, der die Synagogalmusik reformiert. Er fand durch seine Musik und seine Stimme weit über die Kreise der Judenschaft hinaus Anerkennung. Mannheimer selbst war offiziell als „Direktor der israelischen Religionsschule“ nach Wien gekommen, nur de facto war er als Rabbiner tätig. Er unterstütze die Revolution von 1848 und engagierte sich für die bürgerliche Gleichstellung der Juden (-> Märzpark). Gebrauchte Kaiser Franz Joseph bereits 1849 gegenüber einer Abordnung von Juden die Formulierung „Israelitische Gemeinde von Wien“, so kam es erst 1852 zur formalrechtlichen Anerkennung der Wiener Juden als Gemeinde, 1853 wurde Leopold von Wertheimstein zum ersten Präsidenten gewählt. Die Israelitische Kultusgemeinde übernahm es nun offiziell, ein soziales Netz für ihre Mitglieder von der Geburt bis zum Tod zu knüpfen: von Unterstützungen von Witwen und Waisen, Fürsorge für Arme und Berufsunfähige, Krankenpflege und Bestattung über Lehrhauseinrichtungen und Gewährung freien Unterhalts für mittellose Schüler bzw. Rabbinatskandidaten bis hin zur Ausstattung armer Bräute. Auch heute nicht verfügt die Kultusgemeinde über zahlreiche soziale Einrichtungen wie ein Altersheim, das psychosoziale Zentrum ESRA, aber auch Schulen und Kindergärten (->Serviceteil) Die Konstitution der Gemeinde und Zugeständnisse an die Emanzipation, deren Höhepunkt die bürgerliche Gleichstellung der Juden duch das Staatsgrundgesetz war, machte Wien zum Anziehungspunkt für Juden aus den Provinzen der Monarchie. Die Hoffnung auf wirtschaftliche und soziale Aufstiegschancen führten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem sprunghaften Anstieg der jüdischen Bevölkerung in Wien (1860: 5200, 1869: 40.000, 1880; 73000). 1938 lebten ca. 180.000 Juden in Wien, die durch den NS-Terror bis auf wenige Ausnahmen vertrieben oder umgebracht wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen kaum mehr Wiener Juden zurück, heute zählt die Kultusgemeinde ca. 7000 Mitglieder. Die Synagoge ist im Rahmen von Führungen zu besichtigen. In diesem Gebäude befindet sich auch der Sitz der Israelitischen Kultusgemeinde und die Bibliothek des jüdischen Museums. Der angrenzende Seitenstettenhof stammt ebenfalls von Josef Kornhäusl. Das Erdgeschoß wurde 1999 vom jungen Wiender Architektenteam Karin Nekola und Josef Schweighofer für ein koscheres Restaurant umgebaut
Near fragment in space
Der Auersberger sagte einmal kurz, dass er das Theater hasse, immer wenn er mehr als ihm von seiner Frau zugestanden, getrunken hatte, kehrte er aufeinmal, wie ich sagen muss, sein Innerstes blitzartig nach außen, war also plötzlich als dieser noch gar nicht da gewesen war, auf den Schauspieler losgegangen, hatte das Burgtheater berechtigterweise, muss ich sagen, einen Saustall und den erwarteten Schauspieler einen größenwahnsinnigen Stichwortbringer genannt, war aber sofort von seiner Frau, der Auersberger, zurechtgewiesen worden;...
pp 48 from Holzfällen by
