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Verlass die Stadt - pp 60

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Gudrun zieht sich eine Jeans an, wirft das Buch in ihre Tasche und verlässt das Haus. Sie geht die Liebhartsgasse hinunter und biegt rechts in die Thaliastraße ein, geht Richtung Yppenplatz, wo sie noch einen Kaffee trinken will. Auf der Thaliastraße ist es heißt und laut. Es ist viel Verkehr und es stinkt ein bisschen. Es sind viele Menschen unterwegs, sie reden in Sprachen aufeinander ein, die Gudrun nicht versteht.
Touristen sind allerdings keine darunter, auch keine Hofratswitwen, denkt sie zufrieden.
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Near fragment in time

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Ich nahm mein Heft heraus und schrieb Folgendes: 'Er bog ab und ging südlich weiter, hinauf zur Rotenturmstraße, überquerte den Stephansplatz. Ecke Graben kam ihm Wilma entgegen. Er küsste sie auf die Wange. Sie schaute ihn an, wollte was fragen. "Wohin des Weges?", fragte er. "Ich glaub, ich geh heim. Und du?" "Bräunerhof. Deutsche Zeitungen lesen." Wilma blickte auf die Uhr:"Eine halbe Stunde." "Fein", sagte Demant. "Die Süddeutsche kann warten." Vor der Dorotheergasse blieb Wilma abrupt stehen. "Ich geh doch lieber heim." Sie küsste ihn jetzt rasch auf die Wange, ging zum Stephansplatz zurück. Demant zuckte die Achseln, marschierte am Hawelka vorbei, blieb vor der Casanovabar stehen, um die Fotographien der Nackten zu betrachten. Im Bräunerhof bestellte er sich einen großen Mokka und suchte dann die Süddeutsche. "Ist in der Hand", sagte der Ober Ferdinand. Demant holte sich also die Frankfurter Allgemeine und begann zu lesen. Er las und las und war gar nicht dabei. Seine Gedanken schwebten über den Zeilen, hielten sich aber noch zwischen der Zeitung und seinen Augen. Nach einer Viertelstunde aber flogen sie davon.' Also schrieb ich lustig dahin, dass die Schwarten krachten, bosselte den werdenden Roman GEBÜRTIG.
pp 175-176 from Man ist viel zu früh jung. Essays und Reden by Robert Schindel

Near fragment in space

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Auf dem Heldenplatz gehen die Touristen herum, fotografieren und schwitzen. Auf dem Naschmarkt stehen die Obst-, Fisch-, Fleisch- und Gemüsehändler, schreien und schwitzen. In der Margaretenstraße sitzt Max auf einem erhitzten Klappstuhl, trinkt warmes Cola und redet.
Es hat sich viel verändert in Wien, sagt er.
Fällt dir nicht auf, was sich in letzter Zeit alles verändert hat? Sie haben die Votivkirche weißgewaschen. Aber sie wird auch wieder schwarz werden. Und das Gasthaus Vorstadt hat zugesperrt. Aber das wird sicher bald neu übernommen.
pp 9 from Verlass die Stadt by Christina Maria Landerl