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Bis zur Neige - Ein Fall für Berlin und Wien - pp 91

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Sie trat ans Fenster und blickte auf die Rossauerlände hinunter. Die Summerstage, die Vergnügungsmeile am Donaukanal, lag verwaist in nachmittäglichen Hitze, nicht mal die beliebten Trampolins waren besetzt. Es war noch zu früh – ab sieben kamen die Beachvolleyballer, und dann würden sich auch die Lokale, die sich hier aneinanderreihten, füllen. Anna verspürte eine seltsame Nervosität, gepaart mit großer Müdigkeit. Noch war Bachmüller an einem Herzinfarkt gestorben, noch gab es keinen offiziellen Arbeitsauftrag, noch konnte sie nach Hause fahren, sich ihr Buch schnappen und den Rest des Nachmittags auf dem Sofa verdösen. Anna checkte ihre privaten Mails, Urlaubsgrüße ihrer Freundin Andrea und eine Einladung zum Sommerspritzer-Trinken ihres alten Freundes und zeitweiligen Verhältnisses Harald, ansonsten nur Werbung und diverse Benachrichtigungen über Millionengewinne, diesmal vorwiegend aus dem asiatischen Raum. Sie fuhr den PC hinunter, steckte den Standard-Artikel über Bachmüller in die Tasche und machte sich auf den Weg nach Hause.
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Near fragment in time

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Vor dem Millennium-Tower, den die Hallen der City umschiegten, mußte er aussteigen, da es in der unteren Etagen keinen öffentlichen Zugang gab. Bepackt mit dem Gewehr, dem Brecheisen und der Kamera mit ihrem Zubehör, fuhr er auf der Rolltreppe nach oben. Einer der Lifte brachte ihn in den zwanzigsten Stock des Turms, dort stieg er um. Die Fahrt nach ganz oben dauerte eine Minute.
Die Büros, die im obersten Stock untergebracht waren, standen offen. Er wählte eines, in dem ein Panoramafenster den besten Ausblick auf die Stadt bot. Er lud seine Last ab und versperrte die Tür.
Als er knapp vor der Fensterscheibe stand, verschlug ihm der Ausblick den Atem. Vor ihm ging es zweihundert Meter abwärts. Die geparkten Autos waren winzig, die Mülleimer und Zeitungsständer daneben als solche kaum noch zu erkennen.
pp 74-75 from Die Arbeit der Nacht by Thomas Glavinic

Near fragment in space

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Der Afrikaner zittert am ganzen Leib. Seine Haut hat nun doch einen leichten Grauton angenommen. Es gelingt ihm, den Wagen zu wenden und, wie in Trance, die dicht verparkte Berggasse hinabzufahren. Steil geht’s es jetzt hinunter in den Kessel des neunten Bezirks, in die Rossau, wo sich der Smog sein Nest gebaut hat, wo die Luft immer ein wenig schlechter ist als sonst in Wien und wo sich dennoch ein Straßencafé ans nächste reiht. Hier lebte und heilte Sigmund Freud, hier steht, monströs und finster, die Liesl, das Polizeigefangenenhaus mit dem angeschlossenen Hauptkommissariat, hier wohnt schließlich auch der Lemming, keine hundert Meter von den Büros der Mordkommission entfernt und keine fünfzig vom Stammlokal der Krimineser, dem Augenschein.
pp 11-12 from Der Fall des Lemming by Stefan Slupetzky