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Chucks - pp 23
Ein Jahr später sah ich zu, wie meine Mutter regelmäßig meinen Bruder in ihr Auto steckte und mit ihm zum Arzt fuhr. Anfangs wollte ich mitkommen, der kleinen Süßigkeiten wegen, die man von der Sprechstundenhilfe bekam. Doch meine Mutter brachte ihn nicht zu unserem Hausarzt, diesem alten Mann mit blondem Haar, in das sich nur langsam das Grau mischte, in dessen Praxis es nie nach Arzt roch, sondern immer nur nach Holz und Salbe. Sie fuhr mit ihm in das AKH, dieses riesige Gebäude, in dem man sich schon im Eingangsbereich verliert.
Near fragment in time
Am 3. November 1930, an einem trüben Spätherbsttag, verließ Anna Wien. Als der Zug aus dem Bahnhof rollte, blickte sie unter Tränen zurück und winkte, sie winkte wie wild, weit aus dem Abteilfenster gebeugt, bis all die vertrauten Menschen ihres bisherigen Lebens aus dem Blickfeld gerieten und verschwunden waren. Dann erst nahm sie Platz, trocknete ihre Augen, atmete tief ein und wurde sich bewusst, ihre weite Reise jetzt auch wirklich angetreten zu haben. Der Leopoldsberg, die herbstlichen Au am Fluss, vertraute Donauufer glitten an ihr vorbei und entschwanden ebenfalls.
pp 111 from Im Schatten der Zeit by
Near fragment in space
Viktor Krepp, las Schäfer anschließend auf der Notiz, die Schreyer Mladics Akte beigefügt hatte; führte eine Spenglerei am Währinger Gürtel in den U-Bahn-Bögen. Wenn er Bergmann besuchte, könnte er davor dort vorbeischauen. Mit Kamp sollte er auch noch sprechen. Doch irgendwas hielt ihn davon ab, den Oberst anzurufen. Vielleicht die ungewohnte Vertraulichkeit, in der sie den Vorabend verbracht hatten. Der Alkohol hatte ihnen Hirn und Herz aufgetan - oder zumindest den Mund - und jetzt verkrochen sie sich beide in der Defensive, um die korrekte Distanz wiederherzustellen. Nun, Schäfers Zeit in Salzburg würde es ihnen leichter machen.
pp 192 from Der bessere Mensch by
