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Boboville - pp 66

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Vor der Kathedrale, ein großer Platz war da, einen Steinwurf weit von meinem Gymnasium, Busse, Straßenbahnen und der dicke Boulevard, die Universität und die teuren Buchhandlungen, die dicke Bank und im Nebenhaus das Anwaltsbüro von Onkel Christian, er war Justizminister, die Bauchhose unterm Anzugjackett verschnürt.
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Near fragment in time

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Ich schwinge mich also aufs Rad und trete in die Pedale, bis der Beton des Gehwegs als Steilküste in den Donaukanal kippt. Hier, an diesem Strandplazebo, gedenke ich ein Bier zu trinken. Die Freuden des Erwachsenendaseins. Der Türsteher am Tor zum Gastgarten des coolen Clubs will meine Tasche gar nicht erst durchsuchen, was ihm eine Weigerung meinerseits, mir eine darauf folgende Zutrittsverweigerung seinerseits und uns beiden einige Unannehmlichkeiten, wie z.B. vom Schreien heisere Stimmen, erspart. Mir außerdem Geld: Alles was am Donaukanal liegt, betrachte ich als Picknickzone, setze also auf Selbstversorgung. Ich platziere mich möglichst weit vom Türsteher entfernt auf einen der Holztische, ziehe die Bierflasche – deren Marke zur im Lokal ausgeschenkten passt – aus dem Rucksack und will mein Karma auf Reisen schicken, das aber selbstbestimmt auf meiner Schulter hocken bleibt. Neben mir am Tisch wird diskutiert. Eine Gruppe ziemlich euphorischer Frauen mit teilrasierten, wasserstoffgebeizten Haaren und in zu engen Hosen und zu weiten, ideologisch aufgeladenen T-Shirts bespricht den Zustand der Welt im Allgemeinen und den Zustand ihrer Band im Speziellen. Mein Karma unterhält sich köstlich. Ich trinke einen Schluck Bier. Es ist warm und schäumt über.
pp 43 from Freischnorcheln by Mieze Medusa

Near fragment in space

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Wien ist eine elende Angeberstadt. Nicht nur das Allgemeine Krankenhaus ist stolz auf seine ungeheuren Dimensionen, auch die Universität muss sich ständig damit rühmen nicht nur die älteste (gegründet 1365!), sondern auch eine der größten im deutschen Sprachraum zu sein.
Es ist allgemein bekannt, dass man sich in dem prächtigen, riesigen, 1884 erbauten Hauptgebäude am Ring gut verirren kann. Man denkt, man befindet sich in dem einen Flügel, dabei hat man die falsche Stiege erwischt und steht in einem völlig anderen Trakt, der aber ganz genauso aussieht. Dass die Hörsäle römisch beziffert sind, macht das alles nicht einfacher.

Max und Gudrun verlaufen sich auch gerade. Sie haben den Haupteingang genommen und sind, ohne auf Hinweisschilder zu achten, gleich falsch abgebogen, sind rechts durch die Schwingtür und die Stiege hinauf, dann links und weiter geradeaus, jetzt stehen sie zweifelnd am Ende des Ganges.
pp 52 from Verlass die Stadt by Christina Maria Landerl