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Der Tod fährt Riesenrad - pp 23

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"Eine Kutsche?" Gustav deutete auf den Fiakerstand gegenüber vor dem Hotel Imperial.
"Nein. Lassen Sie uns zu Fuß gehen, es ist nicht sehr weit."
"Was für ein wunderschöner Tag", sagte Gustav im Plauderton und bot ihr galant seinen Arm an.
Als sie sich ganz ungezwungen bei ihm einhängte, streifte ihr Busen seinen Ellbogen. Er spürte Bewegung in seiner Hose.
Arm in Arm schlenderten sie die Ringstraße entlang. Der Lärm und Dreck auf den Baustellen am Straßenrand tat seinen romantischen Gefühlen keinerlei Abbruch. Ihr Parfüm raubte ihm beinahe den Atem. Oder war es all der Staub und Dreck? Wenn es nicht bald regnete, würde die Reichshauptstadt in einer dicken Staubwolke ersticken.
"Wien wird jetzt zur Großstadt demoliert", hatte Karl Kraus in der Künstlerzeitschrift Wiener Rundschau geschrieben. Dieser kritische Geist hatte wieder einmal Recht gehabt, dachte Gustav. Die Fertigstellung der Ringstraße, der Bau der Gasleitung und die Regulierung des Wienflusses - Baustellen, nichts als Baustellen seit über zwanzig Jahren. Obwohl Gustav ein glühender Anhänger des Fortschritts und der Moderne war, litt auch er unter dieser permanten Lärm- und Geruchsbelästigung.
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  Karl Kraus

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"Do vorne, do hot er sie einizaht, des arme Madl", sagte sie und zeigte auf die Stelle, an der sie die Entführung beobachtet hatte. Genau dort, wo die Gutheil-Schoder-Gasse vor dem Budocenter eine Kurve beschreibt, hatten die Spurenermittler inzwischen eine Absperrung errichtet. Marc sah sich kurz um und nickte. Die Auswahl des Ortes trägt die Hanschrift unseres Täters, dachte er. Die Gasse war beidseitig von hohen Bäumen gesäumt. Auf einer Seite befand sich hinter den Bäumen ein weiträumiger Parkplatz. Richtung Budocenter erstreckte sich eine Grünanlage mit ausladenden Büschen. Die Entführung hatte genau an der Einmündung des Friedrich-Adler-Wegs, eines Spazierwegs mit allgemeinem Fahrverbot, in die Gutheil-Schoder-Gasse stattgefunden. [...] "Martin, alle verfügbaren Einsatzkräfte sollen nach einer deutschen Spitzensportlerin fragen. Konzentriert euch auf das Budocenter, die Golfanlage und das Hotel Bosei. [...] "Weiß, a weißa Lieferwogn. Oba die Numma hob nit dakennt. Und in diese Richtung is a gfohrn", sagte die Frau und zeigte in Richtung Triesterstraße.
pp 460-462 from Canard Saigon by Harald Friesenhahn

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Als ich in Wien ankam, fühlte ich mich zu ermüdet, um sogleich ins Sanatorium zu fahren. Ich nahm einen Einspänner und fuhr ins Café Central. Ich hatte das Gefühl, daß der Zahlkellner Jean über alles viel besser informiert sein würde als jeder Arzt. Ich hatte mich nicht getäuscht. Rührend war die Freude dieses einfachen Menschen, als er mich erblickte. Er brachte mir sofort ein vollkommenes 'Wiener Frühstück' und erzählte mir alles über Peter. Dieses Mal schien es wirklich schlimmer denn je um ihn zu stehen. Er war mehrere Tage nicht aufgestanden und nicht im Central erschienen. Schließlich besuchte Karl Kraus ihn.(...) Dann rief ich Karl Kraus an, den zweiten Zuverlässigen. Auch an ihm habe ich niemals eine Enttäuschung erlebt. Er war ein Mensch, der Peter wirklich verstand und ihn liebte. Er wußte ihn nach seiner literarischen Bedeutung zu würdigen, vor allem aber war er ein selbstloser Freund. Ich traf ihn am Nachmittag im Café Imperial, wo wir nicht so beobachtet waren wie im Central. Als ich seinen freundlichen, warmen Blick auf mir ruhen fühlte, wurde mir leichter ums Herz.
pp 227-228 from Widerhall des Herzens. Ein Peter Altenberg-Buch by Helga Malmberg