Arrows_down
Arrows_up
« Back to Die große Hitze, oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi

Die große Hitze, oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi - pp 25

Quote
Infolgedessen scheint es uns, da wir noch ein wenig Zeit haben (denn noch hat Tuzzi, wie wir mit einem schnellen Seitenblick feststellen, die Gehsteigkante auf der anderen Seite des Minoritenplatzes nicht erreicht), sinnvoll, die Biographie des Legationsrates durch eine Liste seiner bisherigen Liebesbeziehungen zu erweitern und zu vervollständigen.
  25
  25
  No
  Yes
  No
  No
  (none)
  Minoritenplatz

Near fragment in time

Quote
Marie ist in einem kleinen Haus in der ärmsten Gegend des Bezirks untergebracht. In solchen Bauwerken fließt das Wasser nur im Flur, und wie im Dorf treffen sich die Frauen am Becken, das hier „Bassena“ genannt wird. In jedem Stock gibt es ein oder zwei Toiletten, die Mieter hüten den Schlüssel dazu, so daß kein Fremder sie benützen kann. Der Schlüssel, sehr groß und von leicht verrostetem Eisen, hängt an einem Haken in jedem Türeingang. Die Fenster des Flurs blicken auf einen Lichthof, in dem schon am frühen Morgen Teppichklopfen widerhallt, und ihre farbigen Scheiben verleihen der Mietskaserne an sonnigen Tagen etwas von der frommen Atmosphäre in einem ländlichen Gotteshaus.
pp 44-45 from Rückkehr nach Wien by Hilde Spiel

Near fragment in space

Quote
Ich erinnere mich an jedes Detail des Tages, an dem ich am Schottenring in die Straßenbahnlinie 2 einstieg, um mich das erste Mal mit Tamara am Karlsplatz zu treffen. Ich weiß noch, der Himmel war eine weite hellgraue Fläche, die trotzdem blendete. Die Straßenbahn, in der ich auf einem Einzelplatz saß, war alt, ich konnte die Rillen im Holzboden durch die dünn gewordenen Sohlen meiner Chucks spüren. Ich drückte die Nase an die Scheibe, Mütter verbieten da ihren Kleinkindern immer. Was ich sah, erinnerte mich an überbelichtete Bilder in vergilbten Reiseführern: die alte Börse, die Votivkirche, die Universität. Das Burgtheater, das Rathaus, das Parlament. Der Volksgarten, das Naturhistorische und das Kunsthistorische Museum, der Heldenplatz. Die Hofburg, der Burggarten, die Staatsoper. Diese Straßenbahnfahrt war eine lange, bescheuerte Sightseeingtour durch dieses Wien, das mit seinem an dieser Stra0e konzentrierten Prunk anzugeben schien. Genau das jedoch hatte einen herben Beigeschmack, jemand meinte mal, die Stadt sehe so traurig aus: all diese imperialen Gebäude und kein Imperium, um es zu regieren. Und genauso empfand ich es auch.
pp 12-13 from Chucks by Cornelia Travnicek