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Holzfällen - pp 27-29
Tatsächlich habe ich den erwarteten Schauspieler einmal vor vielen Jahren auf dem Burgtheater in einer dieser ekelhaften englischen Gesellschaftspossen gesehen, in welchem die Dummheit nur dadurch erträglich ist, weil sie englisch und nicht deutsch oder österreichisch ist und die auf dem Burgtheater im letzten Vierteljahrhundert immer wieder mit entsetzlicher Regelmäßigkeit gespielt werden, weil sich das Burgtheater in diesem letzten Vierteljahrhundert vor allem auf die englische Dummheit spezialisiert und das Wiener Burgtheaterpublikum an diese Spezialisierung gewöhnt hat und er ist mir tatsächlich als Burgschauspieler in Erinnerung, als ein Schauspieler also, ein sogenannter Wiener Publikumsliebling und Burgtheatergeck, der in Grinzing oder Hietzing eine Villa hat und auf dem Burgtheater jener österreichischen theatralischen Dummheit den Narren macht, die nun schon seit einem Vierteljahrhundert auf dem Burgtheater zuhause ist, als einer jener geistloser Brüller, die aus der sogenannten Burg in diesem letzten Vierteljahrhundert unter Mitwirkung aller an ihr engagierten Direktoren eine theatralische Dichtervernichtungs- und Schreibanstalt der absoluten Gehirnlosigkeit gemacht haben. Das Burgtheater ist künstlerisch schon so lange bankrott, dachte ich auf dem Ohrensessel, das gar nicht mehr ausgemacht werden kann, wann dieser künstlerische Bankrott eingetreten ist und die Schauspieler, die auf dem Burgtheater auftreten, und die allabendlich auf dem Burgtheater auftretenden Bankrotteure.
Near fragment in time
In den fünf Jahren zwischen 1933, der Machtergreifung Hitlers in Deutschland, und der Einverleibung Österreichs 1938 häuften sich Besucher aus Prag im Café Herrenhof. Das Interesse an den Geschehnissen in Österreich nahm in dem Maße zu, in dem man die eigene Bedrohung durch Hitler immer stärker fühlte. Trotz schmälernden Einbußen und Abwertungen, die Wiens Ansehen nach dem Zusammenbruch der Monarchie hinnehmen mußte, galt die einstige Metropole des Habsburgerreiches immer noch als wichtigste Schalt- und Schlüsselposition im Zentrum Mitteleuropas, sowohl in geopolitischer wie in kultureller Hinsicht. Immer noch fuhren wohlhabende Bürger aus Prag, Brünn, Iglau und so weiter, zu großen Opernabenden und Burgtheaterpremieren nach Wien. Nun bangten diese Besucher aus den Nachbarländern um das künftige Schicksal Wiens, als ginge es um die eigene Existenz.
pp 62-63 from Veruntreute Geschichte. Die Wiener Salons und Literatencafés by
Near fragment in space
Selbst auf dem Burgtheater, der ersten Bühne Europas, wie er sich ausdrückte, kämen am Ende nur Kompromisse zustande.
pp 183 from Holzfällen by
