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Die große Hitze, oder die Errettung Österreichs durch den Legationsrat Dr. Tuzzi - pp 165
Na ja halt so. - Übrigens gibt’s in dem Viertel da wirklich ein paar ganz exquisite Architekturspezialitäten. Wenn du dann heimgehst, schau dir drüben in der Mondscheingasse das Haus Nr. 3 an. Sowas Irres hast bestimmt schon lange nicht gesehn. Unten wächst das Haus aus einem riesigen Stukkaturbaum heraus, die Yggdrasil vermutlich, oben droben sind dann ungeheure Löwenköpfe – kein Vergnügen für Leute, die in derselben Höhe vis-à-vis wohnen. Und dieses Haus zieht sich irgendwie, aber man weiß nicht genau, wie, hinüber bis in die Kirchengasse. Dort brüllen die Löwen dann in die Gegenrichtung. Oder weiter unten, an der Ecke Stiftgasse und Siebensterngasse, das Eckhaus – dort hocken am Dachfirst die risiegsten Greife, die du je erblickt hast. Warum schaust mich denn so an?
Near fragment in time
Aber davor, der gräßliche Moment, der einzige Zwischenfall dieser Art, den ich je miterlebte, als eine Gruppe von Rohlingen den jüdischen Studenten mit Stiefeltritten die Stufen der Universität hinunterstieß! Ich sehe immer noch – denn keine andere Szene von solcher Grausamkeit hat sich dazwischengeschaltet -, wie der bleiche, schwarzhaarige Junge viele Sekunden lang über die Treppe rollte und zu Boden fiel, wie er dann weghinkte und mit seinen Händen seinen Kopf umklammert hielt, von dem ein kleines rotes Rinnsal tropfte.
pp 104 from Rückkehr nach Wien by
Near fragment in space
Der Siebensternplatz heißt erst seit kurzem so, und das ist wirklich erstaunlich. Erst bei dessen offizieller Benennung im Jahr 2009 wurde uns klar, dass wir ihn bis dahin zu Unrecht so bezeichnet hatten. Nie wäre jemand auf die Idee gekommen, dass der Platz zwischen Siebensterngasse, Mondscheingasse und Kirchengasse anders heißen könnte; niemals. Und tatsächlich hatte er keinen anderen Namen er hatte gar keinen.
Bei Nacht hält der Siebensternplatz beinahe, was sein neuer Name verspricht, aber jetzt ist es früher Abend, und man kann keine Sterne sehen, auch keinen Mond. Dafür sieht man den 13A und den 49er alle paar Minuten herankommen, anhalten, Fahrgäste aus- und einsteigen lassen und hört dann die Straßenbahn surrend oder klingelnd, den Bus dröhnend wieder anfahren.
Man ist aber nicht hier, um die Atmosphäre zu genießen und auch nicht zum Spaß. Es ist also völlig in Ordnung, genervt zu sein von der Hitze, den Leuten am Nebentisch, vom Verkehrslärm. Man muss es nicht schön finden.
pp 73 from Verlass die Stadt by
Bei Nacht hält der Siebensternplatz beinahe, was sein neuer Name verspricht, aber jetzt ist es früher Abend, und man kann keine Sterne sehen, auch keinen Mond. Dafür sieht man den 13A und den 49er alle paar Minuten herankommen, anhalten, Fahrgäste aus- und einsteigen lassen und hört dann die Straßenbahn surrend oder klingelnd, den Bus dröhnend wieder anfahren.
Man ist aber nicht hier, um die Atmosphäre zu genießen und auch nicht zum Spaß. Es ist also völlig in Ordnung, genervt zu sein von der Hitze, den Leuten am Nebentisch, vom Verkehrslärm. Man muss es nicht schön finden.
