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6 Österreicher unter den ersten 5 - pp 65
Am nächsten Tag traf ich Hartmut im Neuen Institutsgebäude der Universität. Er stand vor dem Paternoster, aber ich nahm lieber die Treppe. Natürlich wusste ich, dass sich die Fahrgastkabine oben nicht drehte und alle kopfüber runterfielen, die es nicht geschafft hatten, rechtzeitig auszusteigen. Aber man muss das Glück nicht erzwingen, dachte ich.
Near fragment in time
"Die Ausstellung wurde im Kunsthistorischen Museum in Wien gezeigt. Unter Kollegen gilt das Kunsthistorische Museum als Kinderspiel. Es ist sehr leicht dort etwas zu stehlen, glauben Sie mir. Ich bin in der Nacht über ein Gerüst ins Museum eingestiegen. Das Gerüst stand dort, weil das Natur- und Kunsthistorische Museum einer permanenten Renovierung unterliegen. Es war ein Witz. Ich stieg durch ein weit geöffnetes Fenster, es hätte mich nicht gewundert, wenn dort der Museumsdirektor gestanden wäre, um mir die Scarlett- Fassung und die Fick- Linsen feierlich zu überreichen. Ich ging zu den Vitrinen und schnitt sie mit meinem Lasergerät auf - das kennen Sie vielleicht von der Wurzelbehandlung ...? Ich nahm die Scarlett- Fassung heraus und auch die Linsen. Aber die sind ja sehr klein, eine rutschte mir aus den Fingern. Ich bückte mich nach ihr und verspürte einen Schmerz der mir blitzartig durch den ganzen Körper schoss." "Die Bandscheibe", folgerte Rocco. "Sie sagen es. Ich lag da wei ein kranker Käfer, die verfickte Linse, entschuldigen Sie, in Griffweite, aber es war mir unmöglich, mich zu bewegen. Im Morgengrauen fand mich ein Wärter."
pp 152 from 6 Österreicher unter den ersten 5 by
Near fragment in space
Wir gingen wieder auf den Gang hinaus. Ich nahm mir vor, sie als Nächstes zu fragen, ob ihr Vater Diplomat oder etwas Ähnliches sei. Irgendwie musste ich das Gespräch fortsetzen. Sie kam mir zuvor.
Hast du Zeit für einen Kaffee?
Ich nickte, blickte auf die Uhr und sagte: Ja, ich habe noch Zeit.
Gut, dann gehen wir ins Maximilian.
Auf dem Weg dorthin, es war nur eine breite Straße zu überqueren, erzählte sie mir, ihr Vater sei Kameramann und auch die Mutter arbeite beim Film.
Wir sind von Set zu Set gezogen, sagte sie. Im Gymnasium wollte ich dann endlich einmal ein paar Jahre in derselben Schule, bei denselben Lehrern und bei denselben Freundinnen bleiben. Als ich darauf bestand, hat mein Vater gerade in Berlin gedreht. Und so bin ick Berlinerin jeworden.
Ich fragte sie, wie es komme, dass sie zwei Familiennamen habe, und sie antwortete:
Weil meine Eltern nicht verheiratet sind. In den USA und in Deutschland habe ich den Namen meines Vaters verwendet, aber die österreichischen Behörden verlangen, dass ich den Namen meiner Mutter trage, weil er in der Geburtsurkunde und im Pass steht. Wahrscheinlich müsste ich das in den USA ändern lassen, aber dort lebe ich ja nicht mehr. Und so ist bei mir alles etwas komplizierter als bei anderen.
Ich hielt ihr die Eingangstür zum Cafe Maximilian auf. Sie bedankte sich. Alle Fensterplätze waren besetzt. Wir durchquerten den Raum und gingen weiter ins Hinterzimmer. Dort tagte eine Maoistenrunde. Einer von ihnen studierte Publizistik. Er grüßte herüber, als wären wir alte Freunde. Als ich mich schon wieder abgewandt hatte, rief er mir nach: Sag deinem Alten, wenn er die verstaatlichte Industrie zerschlägt, ist das Verrat an der Arbeiterklasse. Die wird sich zu wehren wissen.
Ich drehte mich um, die Maoisten lachten mit zusammengebissenen Zähnen.
Okay, sagte ich, ich werde es ihm ausrichten.
Dann verließ ich schnell das Hinterzimmer. Da an den Fenstern noch immer nichts frei war, setzten wir uns an einen in der Mitte des Raumes stehenden Tisch. Am liebsten wäre ich wieder gegangen. Ich fühlte mich nicht wohl, wenn Leute hinter meinem Rücken saßen. Mimi bestellte Kaffe, ich ein Bier.
Sie fragte mich: Ist es eigentlich schwer, wenn man der Sohn eines Ministers ist?
Und ich antwortete: Nein. Ich werde nur selten daruf angesprochen. Das vorhin war eine Ausnahme.
pp 177-178 from Das Vaterspiel by
Hast du Zeit für einen Kaffee?
Ich nickte, blickte auf die Uhr und sagte: Ja, ich habe noch Zeit.
Gut, dann gehen wir ins Maximilian.
Auf dem Weg dorthin, es war nur eine breite Straße zu überqueren, erzählte sie mir, ihr Vater sei Kameramann und auch die Mutter arbeite beim Film.
Wir sind von Set zu Set gezogen, sagte sie. Im Gymnasium wollte ich dann endlich einmal ein paar Jahre in derselben Schule, bei denselben Lehrern und bei denselben Freundinnen bleiben. Als ich darauf bestand, hat mein Vater gerade in Berlin gedreht. Und so bin ick Berlinerin jeworden.
Ich fragte sie, wie es komme, dass sie zwei Familiennamen habe, und sie antwortete:
Weil meine Eltern nicht verheiratet sind. In den USA und in Deutschland habe ich den Namen meines Vaters verwendet, aber die österreichischen Behörden verlangen, dass ich den Namen meiner Mutter trage, weil er in der Geburtsurkunde und im Pass steht. Wahrscheinlich müsste ich das in den USA ändern lassen, aber dort lebe ich ja nicht mehr. Und so ist bei mir alles etwas komplizierter als bei anderen.
Ich hielt ihr die Eingangstür zum Cafe Maximilian auf. Sie bedankte sich. Alle Fensterplätze waren besetzt. Wir durchquerten den Raum und gingen weiter ins Hinterzimmer. Dort tagte eine Maoistenrunde. Einer von ihnen studierte Publizistik. Er grüßte herüber, als wären wir alte Freunde. Als ich mich schon wieder abgewandt hatte, rief er mir nach: Sag deinem Alten, wenn er die verstaatlichte Industrie zerschlägt, ist das Verrat an der Arbeiterklasse. Die wird sich zu wehren wissen.
Ich drehte mich um, die Maoisten lachten mit zusammengebissenen Zähnen.
Okay, sagte ich, ich werde es ihm ausrichten.
Dann verließ ich schnell das Hinterzimmer. Da an den Fenstern noch immer nichts frei war, setzten wir uns an einen in der Mitte des Raumes stehenden Tisch. Am liebsten wäre ich wieder gegangen. Ich fühlte mich nicht wohl, wenn Leute hinter meinem Rücken saßen. Mimi bestellte Kaffe, ich ein Bier.
Sie fragte mich: Ist es eigentlich schwer, wenn man der Sohn eines Ministers ist?
Und ich antwortete: Nein. Ich werde nur selten daruf angesprochen. Das vorhin war eine Ausnahme.
