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Das Vaterspiel - pp 177-178
Wir gingen wieder auf den Gang hinaus. Ich nahm mir vor, sie als Nächstes zu fragen, ob ihr Vater Diplomat oder etwas Ähnliches sei. Irgendwie musste ich das Gespräch fortsetzen. Sie kam mir zuvor.
Hast du Zeit für einen Kaffee?
Ich nickte, blickte auf die Uhr und sagte: Ja, ich habe noch Zeit.
Gut, dann gehen wir ins Maximilian.
Auf dem Weg dorthin, es war nur eine breite Straße zu überqueren, erzählte sie mir, ihr Vater sei Kameramann und auch die Mutter arbeite beim Film.
Wir sind von Set zu Set gezogen, sagte sie. Im Gymnasium wollte ich dann endlich einmal ein paar Jahre in derselben Schule, bei denselben Lehrern und bei denselben Freundinnen bleiben. Als ich darauf bestand, hat mein Vater gerade in Berlin gedreht. Und so bin ick Berlinerin jeworden.
Ich fragte sie, wie es komme, dass sie zwei Familiennamen habe, und sie antwortete:
Weil meine Eltern nicht verheiratet sind. In den USA und in Deutschland habe ich den Namen meines Vaters verwendet, aber die österreichischen Behörden verlangen, dass ich den Namen meiner Mutter trage, weil er in der Geburtsurkunde und im Pass steht. Wahrscheinlich müsste ich das in den USA ändern lassen, aber dort lebe ich ja nicht mehr. Und so ist bei mir alles etwas komplizierter als bei anderen.
Ich hielt ihr die Eingangstür zum Cafe Maximilian auf. Sie bedankte sich. Alle Fensterplätze waren besetzt. Wir durchquerten den Raum und gingen weiter ins Hinterzimmer. Dort tagte eine Maoistenrunde. Einer von ihnen studierte Publizistik. Er grüßte herüber, als wären wir alte Freunde. Als ich mich schon wieder abgewandt hatte, rief er mir nach: Sag deinem Alten, wenn er die verstaatlichte Industrie zerschlägt, ist das Verrat an der Arbeiterklasse. Die wird sich zu wehren wissen.
Ich drehte mich um, die Maoisten lachten mit zusammengebissenen Zähnen.
Okay, sagte ich, ich werde es ihm ausrichten.
Dann verließ ich schnell das Hinterzimmer. Da an den Fenstern noch immer nichts frei war, setzten wir uns an einen in der Mitte des Raumes stehenden Tisch. Am liebsten wäre ich wieder gegangen. Ich fühlte mich nicht wohl, wenn Leute hinter meinem Rücken saßen. Mimi bestellte Kaffe, ich ein Bier.
Sie fragte mich: Ist es eigentlich schwer, wenn man der Sohn eines Ministers ist?
Und ich antwortete: Nein. Ich werde nur selten daruf angesprochen. Das vorhin war eine Ausnahme.
Hast du Zeit für einen Kaffee?
Ich nickte, blickte auf die Uhr und sagte: Ja, ich habe noch Zeit.
Gut, dann gehen wir ins Maximilian.
Auf dem Weg dorthin, es war nur eine breite Straße zu überqueren, erzählte sie mir, ihr Vater sei Kameramann und auch die Mutter arbeite beim Film.
Wir sind von Set zu Set gezogen, sagte sie. Im Gymnasium wollte ich dann endlich einmal ein paar Jahre in derselben Schule, bei denselben Lehrern und bei denselben Freundinnen bleiben. Als ich darauf bestand, hat mein Vater gerade in Berlin gedreht. Und so bin ick Berlinerin jeworden.
Ich fragte sie, wie es komme, dass sie zwei Familiennamen habe, und sie antwortete:
Weil meine Eltern nicht verheiratet sind. In den USA und in Deutschland habe ich den Namen meines Vaters verwendet, aber die österreichischen Behörden verlangen, dass ich den Namen meiner Mutter trage, weil er in der Geburtsurkunde und im Pass steht. Wahrscheinlich müsste ich das in den USA ändern lassen, aber dort lebe ich ja nicht mehr. Und so ist bei mir alles etwas komplizierter als bei anderen.
Ich hielt ihr die Eingangstür zum Cafe Maximilian auf. Sie bedankte sich. Alle Fensterplätze waren besetzt. Wir durchquerten den Raum und gingen weiter ins Hinterzimmer. Dort tagte eine Maoistenrunde. Einer von ihnen studierte Publizistik. Er grüßte herüber, als wären wir alte Freunde. Als ich mich schon wieder abgewandt hatte, rief er mir nach: Sag deinem Alten, wenn er die verstaatlichte Industrie zerschlägt, ist das Verrat an der Arbeiterklasse. Die wird sich zu wehren wissen.
Ich drehte mich um, die Maoisten lachten mit zusammengebissenen Zähnen.
Okay, sagte ich, ich werde es ihm ausrichten.
Dann verließ ich schnell das Hinterzimmer. Da an den Fenstern noch immer nichts frei war, setzten wir uns an einen in der Mitte des Raumes stehenden Tisch. Am liebsten wäre ich wieder gegangen. Ich fühlte mich nicht wohl, wenn Leute hinter meinem Rücken saßen. Mimi bestellte Kaffe, ich ein Bier.
Sie fragte mich: Ist es eigentlich schwer, wenn man der Sohn eines Ministers ist?
Und ich antwortete: Nein. Ich werde nur selten daruf angesprochen. Das vorhin war eine Ausnahme.
Near fragment in time
2.9 Morzinplatz
1., Morzinplatz
An der Stelle, an der heute dieses Mahnmal, steh befand sich das Hotel Metropol, das ab 1938 die Gestapoleitstelle Wien beherbergte. In dieses Hotel wurden nach dem „Anschluss“, die Gefangenen eingeliefert und verhört und gefoltert. Auch für viele Juden war dies die erste Station auf ihrem Leidensweg, zahlreiche Menschen wurden hier während der Verhöre zu Tode gequält. 1951 errichtete der KZ Verband ohne behördliche Bewilligung einen den Gestapo Opfern gewidmeten Gedenkstein. Die Stadt Wien nahm das Mahnmal in ihre Obhut und errichtete 1985 ein neues Mahnmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft und übernahm auch den Text, der von Wilhelm Steiner, dem Präsidenten des KZ-Verbandes, stammte: „Hier stand das Haus der Gestapo. Es war für die Bekenner Österreichs die Hölle. Es war für viele von ihnen der Vorhof des Todes. Es ist in Trümmer gesunken wie das Tausendjährige Reich. Österreich aber ist wiederauferstanden und mit ihm unsere Toten, die unsterblichen Opfer.“ Ein Block aus Mauthausener Granit und eine Bronzefigur sollen das Schicksal der KZ-Häftlinge symbolisieren. Typisch für die Gedenkkultur der Nachkriegszeit, die sich vor allem auf den demokratischen Grundkonsens der Versöhnung über die Parteigrenzen hinweg bezog, ist, dass die gefolterten, gedemütigten und ermordeten österreichischen Juden mit keinem Wort erwähnt werden, einzig der eingemeißelte gelbe Stern lässt erahnen, dass auch Juden zu diesen Opfern zählen.
pp 70 from Jüdisches Wien - Stadtspaziergänge by ,
1., Morzinplatz
An der Stelle, an der heute dieses Mahnmal, steh befand sich das Hotel Metropol, das ab 1938 die Gestapoleitstelle Wien beherbergte. In dieses Hotel wurden nach dem „Anschluss“, die Gefangenen eingeliefert und verhört und gefoltert. Auch für viele Juden war dies die erste Station auf ihrem Leidensweg, zahlreiche Menschen wurden hier während der Verhöre zu Tode gequält. 1951 errichtete der KZ Verband ohne behördliche Bewilligung einen den Gestapo Opfern gewidmeten Gedenkstein. Die Stadt Wien nahm das Mahnmal in ihre Obhut und errichtete 1985 ein neues Mahnmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft und übernahm auch den Text, der von Wilhelm Steiner, dem Präsidenten des KZ-Verbandes, stammte: „Hier stand das Haus der Gestapo. Es war für die Bekenner Österreichs die Hölle. Es war für viele von ihnen der Vorhof des Todes. Es ist in Trümmer gesunken wie das Tausendjährige Reich. Österreich aber ist wiederauferstanden und mit ihm unsere Toten, die unsterblichen Opfer.“ Ein Block aus Mauthausener Granit und eine Bronzefigur sollen das Schicksal der KZ-Häftlinge symbolisieren. Typisch für die Gedenkkultur der Nachkriegszeit, die sich vor allem auf den demokratischen Grundkonsens der Versöhnung über die Parteigrenzen hinweg bezog, ist, dass die gefolterten, gedemütigten und ermordeten österreichischen Juden mit keinem Wort erwähnt werden, einzig der eingemeißelte gelbe Stern lässt erahnen, dass auch Juden zu diesen Opfern zählen.
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Schäfer brauchte jemanden, der psychologisch geschulter war als er, einfühlsamer und erfahrener. Doch keinen der üblichen Gerichtspsychiater, die sich als Profiler selbst profilieren wollten und ihm sagten, dass der Täter männlich war, zwischen fünfundzwanzig und fünfundvierzig und vermutlich irgendwann ein schweres Trauma erlitten hatte. Er brauchte jemanden, der ihn die Beweggründe fühlen ließ. Der ihm die Köpfe und Herzen dieser Monster öffnete. Schäfer wischte mit dem Mantelärmel über eine nasse Sitzbank hinter der Votivkirche, setzte sich und nahm sein Telefon heraus.
pp 165 from Ohnmachtspiele by
