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Im Schatten der Zeit - pp 229
Bei einem Luftangriff am Morgen schafften sie es nicht mehr bis zum Hartäckerpark. Das Pfeifen der fallenden Bomben, die Lichtgarben, dumpfe Einschläge in nächster Nähe, ein Hexenkessel aus Getöse, Explosionen, Geschrei zwangen Anna, mit ihren Kindern in den nächstbesten Keller zu flüchten. und es war der Keller eines Frauenklosters. die Nonnen beteten nicht, sie kreischten ihre Gebete haltlos vor sich hin. Der Staub rieselte von der Decke, immer wieder erschütterten nahe Bombeneinschläge die Wände, Menschen stöhnten oder schrieen gemeinsam auf, immer gewärtig, von stürzenden Steinmassen erschlagen zu werden.
Near fragment in time
"Eine Kutsche?" Gustav deutete auf den Fiakerstand gegenüber vor dem Hotel Imperial.
"Nein. Lassen Sie uns zu Fuß gehen, es ist nicht sehr weit."
"Was für ein wunderschöner Tag", sagte Gustav im Plauderton und bot ihr galant seinen Arm an.
Als sie sich ganz ungezwungen bei ihm einhängte, streifte ihr Busen seinen Ellbogen. Er spürte Bewegung in seiner Hose.
Arm in Arm schlenderten sie die Ringstraße entlang. Der Lärm und Dreck auf den Baustellen am Straßenrand tat seinen romantischen Gefühlen keinerlei Abbruch. Ihr Parfüm raubte ihm beinahe den Atem. Oder war es all der Staub und Dreck? Wenn es nicht bald regnete, würde die Reichshauptstadt in einer dicken Staubwolke ersticken.
"Wien wird jetzt zur Großstadt demoliert", hatte Karl Kraus in der Künstlerzeitschrift Wiener Rundschau geschrieben. Dieser kritische Geist hatte wieder einmal Recht gehabt, dachte Gustav. Die Fertigstellung der Ringstraße, der Bau der Gasleitung und die Regulierung des Wienflusses - Baustellen, nichts als Baustellen seit über zwanzig Jahren. Obwohl Gustav ein glühender Anhänger des Fortschritts und der Moderne war, litt auch er unter dieser permanten Lärm- und Geruchsbelästigung.
pp 23 from Der Tod fährt Riesenrad by
"Nein. Lassen Sie uns zu Fuß gehen, es ist nicht sehr weit."
"Was für ein wunderschöner Tag", sagte Gustav im Plauderton und bot ihr galant seinen Arm an.
Als sie sich ganz ungezwungen bei ihm einhängte, streifte ihr Busen seinen Ellbogen. Er spürte Bewegung in seiner Hose.
Arm in Arm schlenderten sie die Ringstraße entlang. Der Lärm und Dreck auf den Baustellen am Straßenrand tat seinen romantischen Gefühlen keinerlei Abbruch. Ihr Parfüm raubte ihm beinahe den Atem. Oder war es all der Staub und Dreck? Wenn es nicht bald regnete, würde die Reichshauptstadt in einer dicken Staubwolke ersticken.
"Wien wird jetzt zur Großstadt demoliert", hatte Karl Kraus in der Künstlerzeitschrift Wiener Rundschau geschrieben. Dieser kritische Geist hatte wieder einmal Recht gehabt, dachte Gustav. Die Fertigstellung der Ringstraße, der Bau der Gasleitung und die Regulierung des Wienflusses - Baustellen, nichts als Baustellen seit über zwanzig Jahren. Obwohl Gustav ein glühender Anhänger des Fortschritts und der Moderne war, litt auch er unter dieser permanten Lärm- und Geruchsbelästigung.
Near fragment in space
«[…] Dann der Lagler … weißt du was vom Lagler?“ „Sitzt. In Stein. Seit zirka zwei Jahren schon. Raub und Betrug. Der Trottel geht doch wirklich auf die Volksbank in der Gersthofer Straße, schiebt dem Kassier einen Zettel hin, auf dem Geld oder Bombe! Steht, räumt ordentlich ab, flüchtet, und weißt, was dann passiert? Der Zettel war sei‘ eigene Visitenkarten!»
pp 122 from Der Fall des Lemming by
