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Im Schatten der Zeit - pp 230

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Also versuchten die Frauen, durch Rauchschwaden und Trümmer hindurch, den Weg zum Trautenauplatz zu finden. Als sie die letzte Biegung erreichten, von wo aus man das Haus bei der Rückkehr stets erblicken konnte, erklang ein gellender Schrei. Alle blieben erstarrt stehen.
Der Anblick, der sich ihnen bot, war herzzerreißend. Nur ein Teil des heimatlichen Hauses stand noch, die Hälfte des Gebäudes war von einer Bombe wie wegrasiert worden. Zimmerböden, auf denen noch einige Möbel festhingen, ragten ins Freie und boten den fast obszönen Einblick in eine preisgegebene, verwüstete Intimität.
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  Trautenauplatz

Near fragment in time

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Eine Szene der gestrigen Nacht ist heil geblieben: Paul und ich, wir beide auf dem Heimweg, er trunken und ich schon nahezu besoffen, er melancholisch und ich jämmerlich, wir warten auf die Straßenbahn. Er hält meine Hand, wir verschränken unsere Finger ineinander, die Anzeige, die über die verbleibende Wartezeit informiert, ist ausgefallen. Wir scharren beim Warten mit den Füßen, weil es schwer ist, ruhig stehen zu bleiben, wenn die Gedanken sich drehen.
Als die Straßenbahn endlich kommt, ist sie leer. Wir sitzen alleine in der Mitte des sich durch die Straßen windenden Schlauches.
"Manchmal ist mir nach Heulen", sagt Paul.
Wir fahren an einer weißen Fassade vorbei, an der in Reliefschrift steht: "If you are a banana and try to be an apple", und dann sind wir schon vorüber, aber ich kann die untere Zeile Wort für Wort auswendig. Überhaupt fühle ich mich momentan mehr wie ein Fruchtcocktail.
pp 138-139 from Chucks by Cornelia Travnicek

Near fragment in space

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Bei einem Luftangriff am Morgen schafften sie es nicht mehr bis zum Hartäckerpark. Das Pfeifen der fallenden Bomben, die Lichtgarben, dumpfe Einschläge in nächster Nähe, ein Hexenkessel aus Getöse, Explosionen, Geschrei zwangen Anna, mit ihren Kindern in den nächstbesten Keller zu flüchten. und es war der Keller eines Frauenklosters. die Nonnen beteten nicht, sie kreischten ihre Gebete haltlos vor sich hin. Der Staub rieselte von der Decke, immer wieder erschütterten nahe Bombeneinschläge die Wände, Menschen stöhnten oder schrieen gemeinsam auf, immer gewärtig, von stürzenden Steinmassen erschlagen zu werden.
pp 229 from Im Schatten der Zeit by Erika Pluhar