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Verlass die Stadt - pp 71-72

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Wusstest du, dass sich unter unseren Füßen Massengräber aus dem Zweiten Weltkrieg befinden? Daran muss ich immer denken, wenn ich den Augarten schön finde, und er ist ja auch schön, mit den Kastanien und den Blumen und selbst die Flaktürme kann man doch schön finden auf eine Art.
Ich habe die Türme noch nie schön gefunden; als Kind haben sie mir Angst gemacht. Sie machen mir heute noch Angst. Man sollte sie sprengen, aber das geht ja nicht.
Das ist doch auch eine ganz schlechte Idee! Du willst wohl alles loswerden, was uns an schlimme Zeiten erinnert, einfach weg damit, dann ist es so, als wäre nie etwas gewesen, oder wie? So einfach ist das aber nicht. Gudrun ist auch so. Gudrun würde sagen, abreißen, sprengen, egal; Hauptsache, weg damit.
Und Peter? Was würde Peter sagen?
Der würde ein Museum darin einrichten wollen.
Und Margot? Was würde die machen?
Margot würde
Max schaut auf die Wiese, wo sich ein paar Leute eine Frisbeescheibe zuwerfen. Er spricht erst weiter, als eines der Mädchen daneben greift und das Ding ins braune Gras fällt.
Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was Margot machen würde. Ich habe überhaupt keine Ahnung. Früher hätte ich es gewust.
Laura sagt nichts mehr, sie gräbt ihre nackten Zehen in den Schotter. Eine weiße Sandwolke steigt auf, und Max muss niesen. Laura wünscht ihm nicht Gesundheit.
Laura ist auch noch später im Gastgarten schweigsam und auf dem Heimweg und im Bett.
  Verlass die Stadt
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Im Innenhof des Alten AKH setze ich mich auf eine Parkbank. Ziehe meine Zeitung unter dem Arm hervor. Neben mir ein älterer Herr mit Krückstock und Brille. Ich spreche ihn an. Teile ihm mit, dass ich nur den Immobilienteil lese, und biete ihm den Rest an. Er nimmt ihn. Lächelt. Die Brille rutscht ihm von der Nase. Er bückt sich danach. Beginnt zu lachen. Die Sonne strahlt durch die Baumwipfel. Tauben spazieren über die Rasenfläche. Bewegen ihre Köpfe beim Gehen rückartig vor und zurück. Picken zwischen die Grashalme, die grün sind und saftig. Umrunden die Sitzbänke auf der Suche nach Essensresten. Haussperlinge gesellen sich zu ihnen. Ein kleiner Junge rennt schreiend in ihre Mitte. Fuchtelt mit den Armen. Die Vögel fliegen auf. Er gluckst. Klatscht in seine Babyspeckhändchen. Die Atmosphäre dieses Tages, die Stimmung ist ansteckend.
pp 71-72 from Gegen einsam by Daniela Meisel

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Wusstest du, dass sich unter unseren Füßen Massengräber aus dem Zweiten Weltkrieg befinden? Daran muss ich immer denken, wenn ich den Augarten schön finde, und er ist ja auch schön, mit den Kastanien und den Blumen und selbst die Flaktürme kann man doch schön finden auf eine Art.
Ich habe die Türme noch nie schön gefunden; als Kind haben sie mir Angst gemacht. Sie machen mir heute noch Angst. Man sollte sie sprengen, aber das geht ja nicht.
Das ist doch auch eine ganz schlechte Idee! Du willst wohl alles loswerden, was uns an schlimme Zeiten erinnert, einfach weg damit, dann ist es so, als wäre nie etwas gewesen, oder wie? So einfach ist das aber nicht. Gudrun ist auch so. Gudrun würde sagen, abreißen, sprengen, egal; Hauptsache, weg damit.
Und Peter? Was würde Peter sagen?
Der würde ein Museum darin einrichten wollen.
Und Margot? Was würde die machen?
Margot würde
Max schaut auf die Wiese, wo sich ein paar Leute eine Frisbeescheibe zuwerfen. Er spricht erst weiter, als eines der Mädchen daneben greift und das Ding ins braune Gras fällt.
Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was Margot machen würde. Ich habe überhaupt keine Ahnung. Früher hätte ich es gewust.
Laura sagt nichts mehr, sie gräbt ihre nackten Zehen in den Schotter. Eine weiße Sandwolke steigt auf, und Max muss niesen. Laura wünscht ihm nicht Gesundheit.
Laura ist auch noch später im Gastgarten schweigsam und auf dem Heimweg und im Bett.
pp 71-72 from Verlass die Stadt by Christina Maria Landerl