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Man ist viel zu früh jung. Essays und Reden - pp 175

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Wer in Wien ins Kaffeehaus geht, der geht heim. Ich habe zwar daheim kein Kaffeehaus als Zuhause, aber im Kaffeehaus bin ich selbstverständlich daheim. Wenn wir unser Kaffeehaus betreten, sind wir im Selbstverständlichen eingewohnt. Das Café Bräunerhof ist ein Ort, im welchem die Zeit aufbewahrt wird. Es ist alles wie immer. Echter Marmor, stabile Tische, Plüsch, Zeitungen, Ober im Smoking, das Glas Wasser zum Kaffee, und in der Mitte des Etablissements befindet sich jene Vorrichtung, in der die Zeit gestapelt, gepackt und schließlich vernichtet wird. Allerlei Leute wohnen im Bräunerhof. Sie sitzen, nachdem sie erschienen sind, um die Tische, lesen Zeitung, essen süßes Zeug, das in Wien so bitterlich herrlich schmeckt, nippen an den diversen Kaffeearten, großer Brauner, Melange, Einspänner, Kapuziner, Schale Gold, Mokka, Verlängerter, also sieben Kaffees, bis die Schalen leer sind.
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  Café Bräunerhof

Near fragment in time

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Am nächsten Tag erschien der Junge von sich aus auf dem Kommissariat, um mit Schäfer zu sprechen. Fast zwei Stunden saßen sie im Besprechungsraum. Zuerst redeten sie über Danas Tod. Ja, sie hatte darüber gesprochen, sich zu töten. Und sie wollte es tatsächlich so machen, dass ihr Vater dafür büßen müsste. Einmal hatten sie sogar überlegt, es zusammen zu tun. Hand in Hand vom Donauturm zu springen. Oder wie bei "Thelma und Louise" mit dem Auto über eine Felsklippe zu fahren. Aber für ihn war das doch eher etwas gewesen, mit dem sie ihre Verzweiflung teilten und sich in ihrer Liebe bestärkten. Richtig tot sein wollte er nie.
pp 325 from Der bessere Mensch by Georg Haderer

Near fragment in space

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Erst nach dem Ende de Telefonats kam mir die ganze Tragweite des Telefonats zu Bewußtsein, ich war auf einmal nicht mehr neugierig, ich war traurig, Ich war tatsächlich traurig und ich war in dieser Traurigkeit in die Stadt gelaufen, auf den Graben, auf die Kärntnerstraßem auf den Kohlmarkt, in die Spiegelgasse in das Bräunerhof, wo ich, meiner jahrelangen Gewohnheit gehorchend, den Corriere, Le Monde und die Zürcher Zeitung, sowie die Frankfurter durchgeschaut habe, um dann, von diesen schamlosen Blättern angewidert, wieder auf den Graben zu gehen, um mir eine Krawatte zu kaufen, habe ich die Eheleute Auersberg getroffen, die mir ihrerseits den Selbstmord der Joana mitgeteilt hatten.
pp 104 from Holzfällen by Thomas Bernhard