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Bis zur Neige - Ein Fall für Berlin und Wien - pp 466

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In dem Augenblick, in dem der Hotelangestellte sich ihnen wieder zuwandte, begann Annas Handy zu klingeln. Auf dem Display: Hromadas Handynummer. Sie stellte sich ein wenig abseits, machte Thomas ein Zeichen und nahm den Anruf entgegen. »Frau Habel!« Hromada brüllte ihr ins Ohr. »Frau Habel! Es ist etwas Schreckliches passiert! Es gibt schon wieder einen Toten!« »Herr Hofrat. Ich hab Urlaub, haben Sie schon vergessen? Rufen Sie doch Kolonja an, oder Ihren tüchtigen Herrn Müller.« »Der ist schon da. Sparen Sie sich Ihren Zynismus und kommen Sie sofort hierher!« »Sagen Sie mir, wo ›hier‹ ist, dann kann ich kommen.« »Kärntner Straße. Mitten auf der Kärntner Straße. Kommen Sie schnell, nehmen Sie sich ein Taxi!« Anna hörte im Hintergrund die Polizeisirene und aufgeregte Stimmen und warf das Handy in die Handtasche. Sie lief am verdutzten Thomas Bernhardt vorbei und rief dem Hotelportier zu: »Vergessen Sie das mit dem Zimmer, rufen Sie uns lieber ein Taxi!«
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  Kärntnerstraße

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Obwohl ihm der Augarten nicht besonders gefiel, war er hier einige Male gesessen. Mit Marie, die er zum Kino unter Sternen begleiten mußte. Eine Veranstaltungsreihe, die an Sommerabenden unter freiem Himmel auf einer Großleinwand Filme zeigte, in denen er verstohlen gähnte und auf seinem Stuhl rutschte. Marie zuliebe ging er hin. Trank Bier oder Tee, aß am Multikultibuffet, ließ sich von Steckmücken quälen. Gestochen hatten sie ihn so gut wie nie, doch ihr Summen hatte ihn mehr als einmal aus der Fassung gebracht.
Hier im Café, hundert Meter vom Kino und dem nur während der Kinowochen aufgebauten Buffet entfernt, hatte er auf Marie gewartet. Hatte den Spatzen zugesehen, die sich frech auf den Tischen niederließen und nach Eßbarem pickten. Hatte Wespen verscheucht und den kläffenden Pudeln alter Frauen gehässige Blicke zugeworden.
pp 135-136 from Die Arbeit der Nacht by Thomas Glavinic

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Zum dreizehnten Geburtstag wünschte sich Klara eine Getreidemühle. Von da an hatte sie meist irgendwelche angebrannten Laibchen auf dem Teller. Auf dem Küchentisch standen Jutesäckchen mit verschiedenen Sorten von Körnern. Getreide und Mehl waren in der Umgebung der Mühle auf dem Boden verstreut. Klara musste ihr Dinkellaibchen selber kochen. Aber immerhin saß sie in ihrer ersten vegetarischen Phase mit uns bei Tisch. Ein paar Monate lang konnte sie uns Fleischessern noch zusehen, konnte sie uns noch riechen. Das sollte sich ändern. Sie begann für den Tierschutzverein Vier Pfoten Flugblätter zu verteilen, nicht nur in der Kärntner Straße und am Stephansplatz, auch bei uns zu Hause im Speisezimmer. Wenn wir beim guten Paprika-Henderl saßen, hielt sie uns das Foto eines gigantischen Käfigbaus unter die Nase. Man sah die Flucht eines aufgetürmten Zellengeheges, voll gestopft mit Tausenden von Hühnern.
pp 135-136 from Das Vaterspiel by Josef Haslinger