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Bis zur Neige - Ein Fall für Berlin und Wien - pp 466

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In dem Augenblick, in dem der Hotelangestellte sich ihnen wieder zuwandte, begann Annas Handy zu klingeln. Auf dem Display: Hromadas Handynummer. Sie stellte sich ein wenig abseits, machte Thomas ein Zeichen und nahm den Anruf entgegen. »Frau Habel!« Hromada brüllte ihr ins Ohr. »Frau Habel! Es ist etwas Schreckliches passiert! Es gibt schon wieder einen Toten!« »Herr Hofrat. Ich hab Urlaub, haben Sie schon vergessen? Rufen Sie doch Kolonja an, oder Ihren tüchtigen Herrn Müller.« »Der ist schon da. Sparen Sie sich Ihren Zynismus und kommen Sie sofort hierher!« »Sagen Sie mir, wo ›hier‹ ist, dann kann ich kommen.« »Kärntner Straße. Mitten auf der Kärntner Straße. Kommen Sie schnell, nehmen Sie sich ein Taxi!« Anna hörte im Hintergrund die Polizeisirene und aufgeregte Stimmen und warf das Handy in die Handtasche. Sie lief am verdutzten Thomas Bernhardt vorbei und rief dem Hotelportier zu: »Vergessen Sie das mit dem Zimmer, rufen Sie uns lieber ein Taxi!«
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  Kärntnerstraße

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"Eine Kutsche?" Gustav deutete auf den Fiakerstand gegenüber vor dem Hotel Imperial.
"Nein. Lassen Sie uns zu Fuß gehen, es ist nicht sehr weit."
"Was für ein wunderschöner Tag", sagte Gustav im Plauderton und bot ihr galant seinen Arm an.
Als sie sich ganz ungezwungen bei ihm einhängte, streifte ihr Busen seinen Ellbogen. Er spürte Bewegung in seiner Hose.
Arm in Arm schlenderten sie die Ringstraße entlang. Der Lärm und Dreck auf den Baustellen am Straßenrand tat seinen romantischen Gefühlen keinerlei Abbruch. Ihr Parfüm raubte ihm beinahe den Atem. Oder war es all der Staub und Dreck? Wenn es nicht bald regnete, würde die Reichshauptstadt in einer dicken Staubwolke ersticken.
"Wien wird jetzt zur Großstadt demoliert", hatte Karl Kraus in der Künstlerzeitschrift Wiener Rundschau geschrieben. Dieser kritische Geist hatte wieder einmal Recht gehabt, dachte Gustav. Die Fertigstellung der Ringstraße, der Bau der Gasleitung und die Regulierung des Wienflusses - Baustellen, nichts als Baustellen seit über zwanzig Jahren. Obwohl Gustav ein glühender Anhänger des Fortschritts und der Moderne war, litt auch er unter dieser permanten Lärm- und Geruchsbelästigung.
pp 23 from Der Tod fährt Riesenrad by Edith Kneifl

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Zum dreizehnten Geburtstag wünschte sich Klara eine Getreidemühle. Von da an hatte sie meist irgendwelche angebrannten Laibchen auf dem Teller. Auf dem Küchentisch standen Jutesäckchen mit verschiedenen Sorten von Körnern. Getreide und Mehl waren in der Umgebung der Mühle auf dem Boden verstreut. Klara musste ihr Dinkellaibchen selber kochen. Aber immerhin saß sie in ihrer ersten vegetarischen Phase mit uns bei Tisch. Ein paar Monate lang konnte sie uns Fleischessern noch zusehen, konnte sie uns noch riechen. Das sollte sich ändern. Sie begann für den Tierschutzverein Vier Pfoten Flugblätter zu verteilen, nicht nur in der Kärntner Straße und am Stephansplatz, auch bei uns zu Hause im Speisezimmer. Wenn wir beim guten Paprika-Henderl saßen, hielt sie uns das Foto eines gigantischen Käfigbaus unter die Nase. Man sah die Flucht eines aufgetürmten Zellengeheges, voll gestopft mit Tausenden von Hühnern.
pp 135-136 from Das Vaterspiel by Josef Haslinger