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Boboville - pp 23

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Der Hugo-Wiener-Platz liegt gegenüber von meinem französischen Atelierfenster. Statt Jachin und Boas stehen riesige Platanen da vor den Sonnensegeln der ehemals polnischen Pizzeria, die den Sommer 2006 nicht überlebt hat, weil bei Regen niemand unter Sonnensegeln sitzen will. Überhaupt scheint der Platz unter schlechtem Karma zu leiden. Ein Platz, der nach einem weltgereisten Depressiven benannt ist, hat es schon ohne Karmaproblem schwer in einer Stadt, deren Gedächtnis in der Auslage liegt.
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Bei der Errichtung des römischen Legionslagers Vindobona, des ersten historisch überlieferten Besiedlungskernes von Wien, lag das Hauptbett der Donau wahrscheinlich im Bereich der Gonzagasse. Die hoch liegende Stadtterrasse hatte ein etwas größeres Areal als heute und übersah den Donauhauptstrom an ihrem Fuß und das von zahlreichen Flussarmen durchzogenem Auentiefland auf der anderen Seite. Einer dieser schwächer durchströmten Flussarme, der sogenannte Wiener Arm, lag wahrscheinlich in der Position des heutigen Donaukanals und vereinigte sich im Bereich der Marienbrücke mit dem Hauptstrombett. Im Zuge eines Katastrophalen Hochwassers im späten 3. Jh. Brach ein großer Teil der Stadtterrasse samt dem im Süden darauf liegenden römischen Legionslager weg. Nach dieser Katastrophe herrschte eine völlig veränderte Situation: Der Stadtterrassenabfall und das Hauptstrombett der Donau hatten sich 100m stadteinwärts verlagert und befanden sich nun entlang des heutigen Straßenzuges des Salzgrieses, während der Gonzagassenarm zu versanden begann. Um die erste Jahrtausendwende setzte dann der Nordostverlagerungstrend der Donau, der den Strom schon durch das ganze Eizeitalter hindurch bestimmt hatte, wieder stärker ein. Im 12. Jh. Verlandete dadurch auch der Salzgriesarm und das schiffbare Hauptbett der Donau befand sich nun im Wiener Arm. Drei Jahrhunderte später floss auch im Wiener Arm nur mehr wenig Wasser. Diese Entwicklung war für die mittelalterliche Stadt, die für ihren Gütertransport auf den Wasserweg angewiesen war, äußerst bedrohlich. Man begann den Wiener Arm zu befestigen und zu vertiefen. Im 17. Jh. Wurde schließlich mit Durchstichen und weiteren Regulierungen der ehemalige Wiener Arm endgültig in den heutigen, künstlichen Donaukanal verwandelt.
pp 122-123 from Wien, Umweltstadtführer: Einblick in die Natur einer Großstadt by Christine, Margreth, Isabella Embleton Hamann, Keiler, Teufl

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Im Juni stehen sie offen, die Fenster meiner französischen Atelierbleibe. Das hat mehrere Vorteile. Mein kleiner Feigenbaum, der vierte, den ich mir angeschafft habe, seit ich hier wohne, liebt die frischen Abgase aus der Kleinen Neugasse. Er nickt bedächtig und raschelt mit den Blättern, wenn unten fest gefahren wird. Unten wird gerne fest gefahren. Und abgegast. Das liegt an der Zahl 30, die die städtischen Straßenbemaler auf die Kleine Neugasse gemalt haben. Die Zahl 30 erinnert die Kleingassendurchfahrer daran, ihren Tacho zu taxieren.
pp 41 from Boboville by Andrea Maria Dusl