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Boboville - pp 23
Der Hugo-Wiener-Platz liegt gegenüber von meinem französischen Atelierfenster. Statt Jachin und Boas stehen riesige Platanen da vor den Sonnensegeln der ehemals polnischen Pizzeria, die den Sommer 2006 nicht überlebt hat, weil bei Regen niemand unter Sonnensegeln sitzen will. Überhaupt scheint der Platz unter schlechtem Karma zu leiden. Ein Platz, der nach einem weltgereisten Depressiven benannt ist, hat es schon ohne Karmaproblem schwer in einer Stadt, deren Gedächtnis in der Auslage liegt.
Near fragment in time
Das Erste, das Bronstein ins Auge fiel, als er die "Wiener Zeitung" vom Tage aufschlug war die Todesanzeige für den alten Demand. "Tieferschüttert geben wir bekannt, dass unser innigst geliebter, unvergesslicher Gatte, Vater, Schwiegervater, Großvater", stand da zu lesen, "uns am Sonntag, dem 1. Juli 1934, plötzlich inmitten seines ständigen Schaffens und wirkungsvollen Lebens durch den Tod entrissen wurde." Das haben sie aber schön gesagt, dachte Bronstein und unterdrückte ein Grinsen. Doch es kam noch besser: "Die entseelte Hülle des teuren Verblichennen wird in der Dr. karl Lueger Gedächtniskirche auf dem Wiener Zentralfriedhofe aufgebahrt, dortselbst Donnerstags, dem 5.Juli 1934, um 12 Uhr 10 feierlich eingesegnet und sodann auf demselben Friedhof nach nochmaliger Einsegnung in die Familiengruft zur ewigen Ruhe gebettet.
pp 125 from Tacheles by
Near fragment in space
Frank wollte noch ein bisschen schlendern und anschließend in die Blaue Tomate, sein Lieblingslokal außerhalb des Gürtels, ein Chili essen. Die U3 wechselte entlang der Strecke sehr oft ihr Publikum. Vom „Simmering“ bis „Landstraße“ dominierten derb ausländerfeindliche Haltungen, vorgebracht con sehr weißen Jugendlichem mit minimalistischen Wortschatz und lauten Stimmen. Von „Landstraße“ bis „Stephansplatz“ stiegen Damen mit edlen Hüten, Männer mit Loden- und Staubmänteln sowie italienische, japanische und deutsche TouristInnen zu. Von „Stephansplatz“ bis „Westbahnhof“ wurde die Anzahl der Einkaufstaschen grö0er, oft auch mit Tragetaschen von edlen Geschäften geposed. Die Anzahl der Reisetrolleys stieg mit der Nähe zum Westbahnhof. Ab dort waren Trolleys und Einkaufstaschen noch bis „Johnstra0e“ zu sehen, um danach von mehrheitlich türkisch-, slawisch- und deutschsprechendem Proletariat abgelöst zu werden, was sich bis zur Endstation „Ottakring“ nicht mehr änderte.
pp 37 from Sie sprechen mit Jean Améry, was kann ich für sie tun? by
