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Eine schöne Schweinerei - pp 49

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Unlängst, an einem Samstagvormittag auf dem Brunnenmarkt, umgeben von frischem Obst, altem Käse, Geschrei, Kebapgerüchen, türkischen Babas, Musik aus verschiedensten Lautsprechern, Aufschriften mit "Halal" und "Orientspezialitäten" und sich durch die Menge vor den Ständen drängenden Hausfrauen mit Kinderwagen, hatte plötzlich neben ihm ein Telefon geläutet, so wie die alten Läutwerke in seinem ersten Kommissariat vor fünfzehn Jahren.
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  Brunnenmarkt

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Und sie haben dich nichts gefragt?
Nichts, gar nichts. Wahrscheinlich war ich ihnen zu klein. Wenn ich dreizehn, vierzehn Jahre gewesen wäre, hätte sich mich wahrscheinlich schon etwas gefragt.
Die Gestapo-Männder waren Wiener. Auch viele Deutsche waren da, aber das waren Wiener. Wie halt eine Hausdurchsuchung vor sich geht, haben sie alle Sachen herausgeschmissen, aber sie waren nicht auffallend brutal. Sie haben ihn einfach genommen und sind gegangen
Sie haben also auch nicht zugeschlagen?
Nein. Das ist dann erst am Morzinplatz gekommen. Nach der Verhaftung haben wir ja nicht gewusst wo er ist. Kein Lebenszeichen, nichts. Meine Mutter ist immer wieder auf die Gestapo am Morzinplatz gegangen: keine Auskunft. Als sie wieder einmal bei der Gestapo war, wurde ein Häftling aus einem Verhörzimmer geschleift – ohnmächtig und blutverströmt. Ob es ein Bekannter war, hat sie nicht gewusst, so entstellt war er.
pp 42-43 from Der Kopf meines Vaters: Wien von der NS-Zeit bis zur Gegenwart - Eine Zeitzeugin erzählt by Luis Stabbauer

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Der Anruf kam um 13:32 Uhr. Ein Beamter der Polizeiinspektion Ottakring teilte ihnen mit, dass ein türkischer Junge seine Schwester tot in ihrer Wohnung aufgefunden hatte. Erstochen mit einem Küchenmesser, wie der Inspektor präzisierte. Schäfer informierte die Spurensicherung und den Gerichtsmediziner und lief mit Bergmann in die Tiefgarage. Während der Fahrt presste er seine Fäuste auf die Oberschenkel. im das Zittern unter Kontrolle zu bekommen, das ihn nach dem Telefonat befallen hatte. Ob alles in Ordnung sei, wollte Bergmann von ihm wissen und bog vom Gürtel in die Thaliastraße ab. Sicher, erwiderte Schäfer, nahm sein Telefon und rief eine Dolmetscherin an, die er zum Tatort bat.
pp 94 from Der bessere Mensch by Georg Haderer