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Eine schöne Schweinerei - pp 49

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Unlängst, an einem Samstagvormittag auf dem Brunnenmarkt, umgeben von frischem Obst, altem Käse, Geschrei, Kebapgerüchen, türkischen Babas, Musik aus verschiedensten Lautsprechern, Aufschriften mit "Halal" und "Orientspezialitäten" und sich durch die Menge vor den Ständen drängenden Hausfrauen mit Kinderwagen, hatte plötzlich neben ihm ein Telefon geläutet, so wie die alten Läutwerke in seinem ersten Kommissariat vor fünfzehn Jahren.
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  Brunnenmarkt

Near fragment in time

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Rheinhardt hatte während des ganzen Wegs von der Josefstadt nach Hietzing Zigarren geraucht. Als er die Tür der Droschke öffnete, tauchte er daher wie Mephistopheles eingehüllt in eine gelbliche Wolke aus dem engen Innenraum auf.
pp 127 from Kopflos by Frank Tallis

Near fragment in space

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Das Lokal, in dem der Slam stattfindet, liegt in einem U-Bahn-Bogen am Gürtel, und man kann durch verglaste Bögen auf beiden Seiten nach draußen sehen. Der Raum ist voll, es gibt zu wenige Sitzplätze, das Publikum steht sogar im Durchgang zum vorderen Zimmer. Wir sitzen an einem kleinen Tisch, der kippt, wenn ich mich mit den Ellbogen aufstütze. Die Bedienung bringt unsere Getränke. Paul trinkt einen großen Schluck. Ich überlege, ob er heute Abend blasser aussieht oder ob das bloß das Licht macht.
"Geh du alleine da hoch." Er wirkt angespannt.
"Wie meinst du das?"
"Mir liegt sowas nicht."
"Mir doch auch nicht. Paul, du kannst das doch gar nicht wissen."
"Ich möchte wirklich nicht."
"Wie du meinst ..."
Wie zur Entschuldigung greift er nach einem Stapel Jurykärtchen,d ie gerade von der Bühne herab verteilt werden. Er lächelt mir dabei zu, mit der rechten Seite ein bisschen mehr als mit der linken, kurz wieder ein verlegener Junge, sein Haar steht ihm heute etwas zu Berge, überhaupt scheint mir der ganze Paul ein wenig neben der Spur.
Ich bin aufgeregt. Meine Aufmerksamkeitsspanne ist nicht einmal mit der Kürze dieser Texte kompatibel. Als ich an der Reihe bin, wird nichts besser. Der einzig helle Scheinwerfer blendet mich, ich sehe mein Publikum nicht, worüber ich eigentlich froh bin. Ich erzähle gewollt pointiert von meiner letzten Demo. "Macht kaputt, was euch kaput macht" und so weiter, nur nicht davon, dass die auch schon weider einige Jahre her ist, und alle dreißig Sekunden lasse ich das Publikum "Arschkackpissbullenschwein" brüllen, weil ich glaube, dass sie alle ihren Plenzdorf gelesen haben und das intellektuell stimulierend finden. Sie schreien es fünfmal, von Mal zu Mal nimmt der Enthusiasmus ab, die letzten zwei Mal klingen nur noch widerwillig. Paul reißt trotzdem die Fünf in die Höhe.
"Lieb gemeint", sage ich, während Pauls Wertung nicht gezählt wird.
Am Ende bin ich Vorletzte.
"War wohl nicht politisch genug", sage ich zu Paul und nehme meinen "Ein Bush ist auch nur Botanik"-Button und im die Jurykärtchen ab.
Den Rest des Abends verbringen wir zwischenrufend vor immer größeren Gläsern, und nachdem von den ganzen Stegreifpoeten und Spoken-Word-Penetranten nichts mehr zu sehen ist, sind wir schon etwas betrunken.
pp 135-137 from Chucks by Cornelia Travnicek