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Im Schatten der Zeit - pp 5

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Anna kam am 3. Dezember 1909 in Wien zur Welt und war die zweite der vier Töchter des Glasmalermeisters Franz Goetzer. Sie wuchs in der Schulgasse im Bezirk Währing auf. Dort besaß eines der mehrstöckigen Vorstadthäuser eine mächtige Durchfahrt zum weitläufigen Hinterhof, und an dessen Ende lag das Gebäude, in dem sich die Wohnung der Familie und die Werkstatt des Vaters befand. Die Wohnräume lagen ebenerdig, und der unter ihnen befindliche Keller beherbergte die Glasmalerei. Diese führte auf der Rückseite des Hauses zum tiefer gelegenen Garten hinaus. Man musste an Kaninchenställen vorbei, eine Art Korridor überwinden, oder man wand sich zwischen buntem Glas, Arbeitstischen, am murrenden Vater und seinen freundlich grüßenden Gehilfen vorbei durch die gesamte Werkstatt, um diesen Garten zu erreichen. Kaum hatte man ihn betreten, tat sich sofort sein Wunder auf. Er hatte sich im Andrängen der allmählich immer städtischer werdenden Bauvorhaben, zwischen Hausmauern, Hinterhöfen und Abladeplätzen, unerschütterlich sein verträumtes, ländliches Aussehen bewahrt. Da gab es Kieswegezwischen üppigen Blumenrabatten und Rasenflächen, Kastanienbäume überwölbten ihn von allen Seiten, einen Hügel zum Hof hin bedeckten hochwuchernde Himbeersträucher mit schmalen Pfaden dazwischen, und sogar ein „Salettl“, wie man das weißlackierte Gartenhäuschen nannte, krönte unter Fliedersträuchern und Laubschatten seine Idylle.
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Heute war ihm ein großer Wurf geglückt. Bei seinem morgendlichen Streifzug hatte ein Vorgang in der Nähe des Nordbahnhofs seine Aufmerksamkeit erregt. Ein russischer und ein amerikanischer Militärlastkraftwagen standen nebeneinander im Hof eines Lagergebäudes. Ein Jeep, offensichtlich ein Begleitfahrzeug, war quer zur Einfahrt geparkt.
pp 12 from Canard Saigon by Harald Friesenhahn

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In der Volksschule in der Cottagegasse saß Helene auf einem Kinderbänkchen auf dem Gang. An der Wand hingen Kinderzeichnungen. Schneemänner starrten von den Blättern. Jeder Schneemann hatte eine Karotte als Nase. Jede Karotte ragte nach links. Helene fiel ein, wie sie als kleines Mädchen im Kindergarten die Sonne auf ihren Zeichnungen in der Mitte gemalt hatte. Sie konnte den Finger auf ihrem Zeichenblatt noch sehen, wie die Nonne ihr bedeutet hatte, die Sonne in die Ecke zu zeichnen.
pp 41 from Verführungen by Marlene Streeruwitz