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Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre - pp 69
Im "Pucher" verkehrte der Ballhausplatz. Wer dem Ministerium des Äußeren angehörte, dem war dieses verhältnismäßig schmale eingequetschte Café am Kohlmarkt nicht fremd.
Near fragment in time
Es war nahezu dunkel, als Martins am Ufer des Donaukanals dahin schritt: gegenüber am Wasser lag das halb zerstörte Dianabad, und in der Ferne stand der gewaltige schwarze Reifen des Riesenrads unbewegt über den Häuserruinen. Dort drüben, jenseits des grauen Kanals, erstreckte sich der zweite Bezirk unter russischer Verwaltung. Über den Dächern der Innenstadt reckte der Stephansdom seinen mächtigen kriegswunden Turm in den Himmel. Und als er die Kärntner Straße entlang ging, kam Martins an der hell erleuchteten Tür der Militärpolizei vorüber. Die vier Männer der allierten Patrouille stiegen gerade in ihren Jeep; der russische Polizist saß neben dem Fahrer (weil die Russen an diesem Tag für die nächsten vier Wochen den Vorsitz in der Verwaltung der Innenstadt übernommen hatten); und der Engländer, der Franzose und der Amerikaner hievten sich nach hinten. Der dritte starke Whisky verdampfte in Martins' Hirn, und ihm fielen das Mädchen in Amsterdam ein und das Mädchen in Paris. Einsamkeit begleitete ihn durch die belebte Straße. Er erreichte die Ecke, wo man zum Sacher einbiegt, und ging weiter. Rollo hatte Oberhand und drängte zu der einzigen Frau, die er in Wien kannte.
pp 65 from Der dritte Mann by
Near fragment in space
Auf dem Kohlmarkt herrschte rege Betriebsamkeit. Eine Frau mit einem in helles Papier eingeschlagenen Paket lächelte Liebermann im Vorbeigehen an. Sie war so erfreut über ihren Kauf, dass sie ihre Gefühle nicht unterdrücken konnte. Zwei prächtig gekleidete Husaren standen in der Tür einer Modistin und unterhielten sich laut auf Ungarisch. Auf der anderen Seite der Straße marschierten drei Chassidim in langen, schwarzen Kaftanen und breitkrempigen Biberhüten. Das Michaelertor, das mit einer grünen Kuppel gekrönte Portal der Hofburg, dominierte den Ausblick. Es machte sich vor dem pastellfarbenen Himmel besonders gut. Liebermann hatte Treszka Anfang der Woche einen Brief geschrieben und ein Treffen im Café Demel vorgeschlagen (dem k. u. k. Hofzuckerbäcker). [...] Der junge Arzt hatte das Café Demel nicht nur gewählt, weil es einen so guten Ruf genoss, sondern auch, weil es praktisch war.
pp 304 from Wiener Tod by
