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Der Fall des Lemming - pp 18
Kriminalgruppeninspektor Leopold W., 38, wurde nach einem Trinkgelage gegen 1.30 Uhr völlig unbekleidet vor der Servitenkirche im 9. Wiener Gemeindebezirk aufgegriffen. Schlafende Anrainer waren von W. obszön beschimpft und lautstark zum gemeinsamen Selbstmord aufgefordert worden.
Near fragment in time
Gerd fuhr jüngst mit der Linie U3 Richtung Ottakring. (So beginnen große Geschichten.) In der Station Schweglergasse fällt sein Blick auf einen brennenden Mistkübel. Gerd steigt aus, ergreift den Feuerlöscher und erstickt die Flammen. Eine Rußwolke zieht über den Bahnsteig und verlässt (mit den meisten Passanten) die Station. Gerd meldet den Vorfall der Stationsleitung. Kurze Zeit später erscheint ein entspannter Bediensteter der Wiener Linien mit einer Wasserflasche in der Hand, erfasst die Situation und murrt: "Na super, danke, jetzt kömma den Reinigungsdienst holen!" Der gebrandmarkte Löscher entgegnet: "Hören Sie, der Kübel war unbeaufsichtigt. Ich konnte ja nicht wissen, dass da schon wer unterwegs ist, um den Brand zu bekämpfen." Darauf der Bedienstete: "Es ist immer wer unterwegs." Sagt es, nimmt den Feuerlöscher und geht.
Diese Geschichte schreit nach einer Moral für uns Fahrgäste: Entdecken wir in einem U-Bahn-Schacht Feuer, so lassen wir es brennen! Es besteht kein Grund zur Sorge. Und sollte es aus fünfzehn Mistkübeln gleichzeitig qualmen, so heben wir unsere Daumen zur öffentlichen Wertschätzung. Die Wiener Linien haben alles im Griff. Bei denen ist immer wer unterwegs.
pp 118 from Die Vögel brüllen: Kommentare zum Alltag by
Diese Geschichte schreit nach einer Moral für uns Fahrgäste: Entdecken wir in einem U-Bahn-Schacht Feuer, so lassen wir es brennen! Es besteht kein Grund zur Sorge. Und sollte es aus fünfzehn Mistkübeln gleichzeitig qualmen, so heben wir unsere Daumen zur öffentlichen Wertschätzung. Die Wiener Linien haben alles im Griff. Bei denen ist immer wer unterwegs.
Near fragment in space
Als sie durch das Servitenviertel in die Liechtensteinstraße bog, bemerkte sie, dass der Himmel sich verdunkelte. Das Liechtenstein Museum war in dramatisches Licht getaucht und wirkte dadurch noch imposanter, als es ohnehin schon war. Im Mai hatte Anna zusammen mit einer Freundin aus Italien fast einen ganzen Sonntag in diesem Museum verbracht, und beide waren schwer beeindruckt von Palais, Park und Kunst gewesen. Anna konnte es kaum fassen, dass all die Rubens, van Dycks und Rembrandts im Privatbesitz des Fürsten von Liechtenstein waren – der Wert dieser Privatsammlung überstieg ihr Vorstellungsvermögen. Und dieser Fürst war nicht etwa eine historische Figur, verewigt in einem düsteren Ölschinken, nein, er war eine lebende Person mit Familie, was von einem Schwarzweißporträt im Treppenhaus bezeugt wurde. Wie ungerecht die Welt doch sein konnte… Anna wurde aus ihren Gedanken gerissen, als dicke Tropfen auf die staubige Windschutzscheibe platschten. Kurz bevor sie den Gürtel überquerte, setzte heftiger Wind ein.
pp 229-230 from Bis zur Neige - Ein Fall für Berlin und Wien by ,
